„Amoris laetitia“: Was die Kirche von Familien lernen kann
Zum zehnten Jahrestag von Amoris laetitia diskutieren Kirchenvertreter, wie Familien mit ihrem Alltag und Glauben die Kirche selbst bereichern und verändern können.

Zum Abschluss der Beratungen anlässlich des zehnten Jahrestags von Amoris laetitia rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Wie können christliche Familien selbst zu Trägern der kirchlichen Mission werden? Bei der Tagung betonen Kardinal Kevin Farrell und Kardinal Protase Rugambwa, dass Familien nicht nur seelsorgliche Begleitung brauchen – ihre Erfahrungen, ihr Glaube und ihr Alltag können die Kirche selbst verändern.
Familien als Missionare des Glaubens
Aufgrund des Krankenhausaufenthalts von Papst Leo XIV. wandten sich die Teilnehmer der Beratungen zum zehnten Jahrestag von Amoris laetitia mit einer Botschaft der Verbundenheit an den Pontifex, bevor sie ihre Beratungen fortsetzten. Sie versicherten ihm ihre Gebete und wünschten ihm eine rasche Genesung.
Bei der Tagung selbst unterstrich die französische Referentin Véronique Lonchamp, dass der Beitrag von Familien weniger in einzelnen Aktivitäten als vielmehr in ihrer alltäglichen Lebensweise liege: im Zuhören, Verzeihen, in Geduld und gegenseitiger Fürsorge sowie im Umgang mit Konflikten und in der Unterstützung der Schwächsten. Der Glaube werde gerade dort konkret. Das gelte auch für Familien, deren Lebenswirklichkeit nicht vollständig dem christlichen Eheideal entspreche. „Keine Familie ist perfekt“ – jede könne sich jedoch von Gottes Wirken verändern lassen.
Das Engagement vieler Familien reiche weit über die eigenen vier Wände hinaus. Es zeige sich in Schulen, am Arbeitsplatz, in der Begleitung älterer und einsamer Menschen oder im Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung. Auch die Weitergabe des Glaubens sei keine Einbahnstraße: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die den Glauben neu entdeckten, könnten ihrerseits andere Familienmitglieder inspirieren.
Lonchamp plädierte deshalb dafür, die Erfahrungen von Familien nicht bloß als Grundlage für seelsorgliche Angebote zu betrachten, sondern sie als eigenständige Quelle pastoraler Erkenntnis ernst zu nehmen. Die Kirche könne von Familien lernen und dadurch ihren Auftrag in einer sich wandelnden Gesellschaft glaubwürdiger erfüllen.
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Familien gestalten Kirche mit
Kardinal Protase Rugambwa aus Tansania verwies auf neue Formen der Beteiligung, die sich seit Amoris laetitia in zahlreichen Diözesen und Pfarreien entwickelt hätten. Ehepaare und Familien engagierten sich zunehmend in der Seelsorge und übernähmen Verantwortung für die kirchliche Mission. Als Beispiel nannte er Ostafrika, wo kleine christliche Gemeinschaften seit den 1970er-Jahren das Verständnis der Kirche als Familie konkret lebten. Sie stärkten den Zusammenhalt und ermöglichten es den Gläubigen, gemeinsam zu planen und die Evangelisierung aktiv mitzugestalten.
Auch in der Ausbildung pastoraler Mitarbeiter sieht Rugambwa ein wichtiges Betätigungsfeld für Familien. Ihre Erfahrungen mit Ehe, Elternschaft und gesellschaftlichen Herausforderungen könnten Priesteramtskandidaten, Diakone und andere Seelsorgende bereichern. Die Kirche müsse daher überlegen, wie Familien stärker in diese Ausbildung einbezogen werden könnten und welche Erkenntnisse sich daraus für die Seelsorge gewinnen ließen.
Beide Referenten betonten im Einklang mit dem Abschlussdokument der Synode zur Synodalität, dass Familien nicht nur Empfänger kirchlicher Begleitung sein dürften. Vielmehr seien sie „aktive Subjekte der kirchlichen Mission“. Ihre Erfahrungen mit Liebe, Treue, Erziehung, Krisen und Versöhnung könnten nicht nur anderen Familien Orientierung geben, sondern auch das kirchliche Leben selbst verändern.
Eine Kirche, die Familien als Mitgestalter ihrer Sendung anerkenne und zugleich von ihnen lerne, könne synodaler, missionarischer und aufmerksamer für die konkreten Lebenswirklichkeiten der Menschen werden.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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