Der Tod ist „Schwester“ und nicht das Ende: Was Papst Leo XIV. an Allerseelen damit sagen will
Bei der Messe auf dem römischen Friedhof Campo Verano sprach der Papst über Tod, Trauer und die Hoffnung auf Auferstehung. Die Verantwortlichen in den Kriegsgebieten rief er zum Frieden auf.

Papst Leo XIV. hat am Allerseelentag (Montag, 2. November) auf dem römischen Friedhof Campo Verano eine Messe für die Verstorbenen gefeiert. In seiner Predigt erinnerte er an die bleibende Verbindung zwischen Lebenden und Toten und mahnte die politisch Verantwortlichen, den Krieg zu beenden.
Vor der Messfeier legte der Papst an einem Grab ein Blumenbouquet nieder. Die Eucharistie feierte er für alle Verstorbenen, besonders für jene, die auf dem Campo Verano bestattet sind, und für alle, die Angehörige und Freunde im Herzen tragen. Den Friedhof nannte er in seiner Predigt einen Ort des „Gebets, des liebevollen Gedenkens und der Hoffnung“. Er schloss ausdrücklich auch jene ein, die nicht vor Ort begraben liegen, aber in den Herzen ihrer Angehörigen weiterleben.
Appell an die Kriegsverantwortlichen
Im Mittelpunkt der Predigt standen die Seligpreisungen aus dem Matthäusevangelium (Mt 5,1-12). Leo XIV. nannte sie „ein Selbstporträt Jesu“ und einen Wegweiser zu einem Leben in Fülle, das nicht erst in der Ewigkeit, sondern schon im Hier und Jetzt beginne.
Besonders ging der Papst auf das Leid jener Menschen ein, die durch Kriege Angehörige verloren haben. Er griff die Worte Jesu auf: „Selig, die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.“ Dann wandte er sich an alle, die Einfluss auf das Kriegsgeschehen haben: „Mögen die Tränen so vieler Mütter, so vieler Kinder und so vieler älterer Menschen die Gewissen all jener aufrütteln, die die Macht haben, die Waffen zum Schweigen zu bringen!“
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Franz von Assisi: Der Tod als Schwester
Anlässlich des 800. Todestages des heiligen Franz von Assisi erinnerte der Papst an dessen Sicht auf das Sterben. Im Sonnengesang nennt Franziskus den leiblichen Tod eine „Schwester“, Ausdruck seiner Zuversicht, dass der Tod für Menschen, die nach Gottes Willen leben, nicht das letzte Wort hat.
„Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen“, zitierte Leo XIV. aus dem Sonnengesang. Er verwies auch auf die ernsten Worte des Heiligen über das ewige Schicksal: Wer in tödlicher Sünde sterbe, sei zu beklagen. Glücklich dürften sich hingegen jene nennen, die der Tod im heiligsten Willen Gottes finde.
Zum Schluss betonte der Papst die Hoffnung auf eine Gemeinschaft mit Gott über den Tod hinaus. Die Verbindung zu den Verstorbenen werde durch den Tod nicht ausgelöscht, sondern verwandelt. Im Gebet könnten die Hinterbliebenen ihre Angehörigen auf dem Weg zur endgültigen Gemeinschaft mit Gott begleiten. Einen Vorgeschmack darauf biete bereits die Eucharistie.
Mit Blick auf die Verheißung des ewigen Lebens verwies Leo XIV. auf die Offenbarung des Johannes: Gott werde eines Tages alle Tränen abwischen, und es werde „keinen Tod, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“ mehr geben. Diese Hoffnung solle den Menschen Kraft geben, ihren Weg trotz Abschied und Verlust im Vertrauen auf Gott weiterzugehen.
Allerseelen auf dem Campo Verano
Mit dem Besuch des Friedhofs knüpfte Leo XIV. an eine Tradition seiner Vorgänger an. Johannes Paul II. besuchte den Campo Verano erstmals 1993, Papst Franziskus war 2013 und 2015 dort. Der im 19. Jahrhundert angelegte Friedhof ist die größte Begräbnisstätte Roms. Neben zahlreichen Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft fanden hier auch italienische Schauspieler wie Bud Spencer, Vittorio Gassman und Marcello Mastroianni ihre letzte Ruhe. Auch Clara Petacci, die Geliebte Benito Mussolinis, ist hier begraben.
Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…
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