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Im Geist Johannes Pauls II.: Hat der Frieden noch eine Chance?

40 Jahre nach dem ersten Friedensgebet in Assisi kommen erneut Vertreter der Religionen zusammen. Bischof Wilmer erinnert an die bleibende Bedeutung dieses Auftrags.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Im Geist Johannes Pauls II.: Hat der Frieden noch eine Chance?
(c) Wikimedia Commons - Rob Croes - CC BY-SA 4.0

Mehr als 5.000 Teilnehmer aus 53 Ländern haben sich seit Sonntag, 25. Oktober, zum interreligiösen Friedenstreffen im italienischen Assisi versammelt. 40 Jahre nach dem ersten Treffen, das Papst Johannes Paul II. initiiert hatte und damit weltweit für Aufsehen gesorgt hatte, kommen erneut hochrangige Vertreter aus Religion, Politik und Kultur zusammen, um über Wege zum Frieden zu beraten. Angesichts zunehmender Kriege und der religiösen Rechtfertigung von Gewalt forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, einen entschiedeneren Einsatz für den Frieden.

„Frieden beginnt im eigenen Herzen“

In thematischen Foren beraten die Teilnehmer am Montag und Dienstag über den Dialog der Religionen, den Schutz der Menschenwürde sowie das Verhältnis von Frieden und technischem Fortschritt. Den Abschluss am Dienstagabend bilden Gebete der einzelnen Religionsgemeinschaften an verschiedenen Orten in Assisi. Anschließend wollen die Teilnehmer eine gemeinsame Friedensbotschaft unterzeichnen.

Bischof Heiner Wilmer warnte angesichts zunehmender Konflikte vor einer weiteren Eskalation der Gewalt. „Brutale Angriffskriege sind auf die Bühne der Weltpolitik zurückgekehrt, bewaffnete Konflikte nehmen zu“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag in Bonn. Zugleich kritisierte er, dass der Name Gottes immer wieder zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werde. Dem müssten gläubige Menschen entschieden entgegentreten.

Mit Blick auf das Friedenstreffen betonte Wilmer die Bedeutung der persönlichen Haltung: „Nur wer im Inneren abrüstet, kann auch nach außen hin die Logik der Gewalt durchbrechen.“ Der Geist von Assisi sei kein bloßes Erinnerungsstück, sondern bleibe ein Auftrag. Deshalb rief der Bischof die Gläubigen der verschiedenen Religionen in Deutschland dazu auf, sich dem weltweiten Gebet für den Frieden anzuschließen.

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Gemeinsames Friedensgebet aktueller denn je

Wilmer erinnerte an die Anfänge des interreligiösen Friedensgebets vor 40 Jahren. Damals habe die Welt im Schatten des Kalten Krieges und des atomaren Wettrüstens gestanden. In dieser angespannten Lage habe Papst Johannes Paul II. Vertreter verschiedener Religionen in Assisi versammelt, um gemeinsam für den Frieden zu beten.

Die Kritik, das Treffen vermische die Religionen, wies Wilmer zurück. Die Teilnehmer hätten jeweils auf ihre eigene Weise gebetet. Johannes Paul II. habe dafür die prägnante Formel „beieinander sein, um zu beten“ geprägt. Dieser Gedanke habe bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren, betonte der Bischof: „Wer neben dem Anderen betet, entdeckt, dass auch dieser vor Gott ein Suchender ist. Daraus kann Vertrauen wachsen – und aus Vertrauen die Kraft zum gemeinsamen Handeln.“

Zugleich verwies Wilmer auf die Vorbehalte, die es seinerzeit auch innerhalb der katholischen Kirche gegen das Treffen gegeben hatte. Johannes Paul II. habe dennoch an seiner Vision festgehalten und das Friedensgebet als Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Öffnung der Kirche gegenüber anderen Religionsgemeinschaften verstanden. Daraus ergebe sich ein klarer Auftrag: „Die Religionen sollen nicht Teil der Konflikte sein, sondern gemeinsam einem nachhaltigen Frieden den Weg bereiten.“

Vier Jahrzehnte nach dem ersten Treffen sei die gemeinsame Friedensbitte angesichts der aktuellen Konflikte dringlicher denn je, unterstrich Wilmer.

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Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.

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