Glauben

„Kirche muss anecken“: Gänswein verrät, was junge Menschen heute an der Kirche fasziniert

Im Twitch-Gespräch mit einem jungen Publikum teilt Erzbischof Georg Gänswein überraschend persönliche Einsichten zu Glaube, Kirche und seiner Zeit an der Seite von Papst Benedikt XVI.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
„Kirche muss anecken“: Gänswein verrät, was junge Menschen heute an der Kirche fasziniert
(c) Bildnachweis: Screenshot | YouTube | K-TV Katholisches Fernsehen

Was hat die Kirche jungen Menschen heute noch zu bieten – und welcher Musikstil brachte Erzbischof Georg Gänswein früher in Schwung? In einem Twitch-Talk stellte sich der Papstbotschafter den Fragen eines vorwiegend jungen Publikums und gewährte dabei auch persönliche Einblicke. Er sprach über den Glauben als Orientierung in einer modernen Welt, ungewöhnliche Geschenke an Papst Benedikt XVI. und seine eigene Beziehung zum Kirchenleben. Seine Botschaft: Die Kirche muss nicht jedem gefallen, darf aber gerade deshalb nicht aufhören, Menschen herauszufordern.

Gänswein: „Kirche muss anecken“

Erzbischof Georg Gänswein sieht die katholische Kirche bei jungen Menschen durchaus im Aufwind – vor allem mit Blick auf Länder wie Frankreich und die USA. In einem Gespräch auf der Streaming-Plattform Twitch betonte der Papstbotschafter, dass sich viele Jugendliche auf der Suche nach Sinn und Orientierung wieder stärker mit dem Glauben beschäftigten. Sie wollten „dem lieben Gott auf die Spur kommen“.

Entscheidend sei dabei, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus aufzubauen. Zugleich müsse die Kirche ihren eigenen Weg gehen und dürfe sich nicht einfach dem Zeitgeist anpassen. „Kirche muss anecken“, sagte Gänswein mit Blick auf die Frage, wie sich die katholische Kirche zur modernen Gesellschaft positionieren solle. Sie müsse Christus treu bleiben, die Tradition bewahren und dennoch nach vorne schauen.

Der Erzbischof ermutigte junge Menschen, sich kritisch und offen mit der Kirche auseinanderzusetzen. „Es lohnt sich, mit der Kirche zu raufen“, sagte er. Wer sich auf sie einlasse, ziehe daraus vielmehr großen Nutzen. Die Kirche bewahre einen wertvollen Schatz, den es zu entdecken gelte.

Nach seinem wichtigsten Bibelvers gefragt, verwies Gänswein auf den ersten Johannesbrief: „Gott ist die Liebe.“

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Rennlenkrad von Michael Schumacher

Als ehemaliger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. durfte Georg Gänswein auch so manche ungewöhnliche Geschenkübergabe miterleben. Entsprechend durften Fragen zum deutschen Pontifex in dem Twitch-Gespräch nicht fehlen. Eine Begegnung mit einer Delegation des Autobauers Ferrari Ende 2005 ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: Die Gäste überreichten Benedikt das Lenkrad eines Rennwagens von Michael Schumacher – doch der Papst wusste damit zunächst wenig anzufangen.

„Der Papst wusste gar nicht, was er damit machen soll“, erinnerte sich Gänswein. Sport habe Benedikt XVI. wenig interessiert. Einen Abnehmer für das ungewöhnliche Präsent gab es schließlich dennoch: Der damalige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, ein begeisterter Motorsportfan, erhielt das Lenkrad.

Wertvolle Geschenke, die dem Papst überreicht wurden, seien grundsätzlich entweder versteigert oder weitergegeben worden, erklärte Gänswein. Einmal durfte allerdings auch er selbst sich über ein Präsent freuen. Bei einem Besuch der österreichischen Wintersportelite waren Skier der Marke Völkl mitgebracht worden. „Ich habe mich dann so angestellt, dass mir der Papst das sozusagen vor der Mannschaft geschenkt hat“, erzählte der Erzbischof schmunzelnd.

Zum Einsatz kamen die Skier allerdings nie. Wo sie heute stehen, weiß Gänswein immerhin noch: „Aber ich weiß, wo die stehen.“

Das Interesse an dem Gespräch war groß: Rund 10.000 Menschen verfolgten am Samstagabend den von Thomas Schmidt (27) und Philipp Stehling (33) moderierten Twitch-Talk. Nach Angaben der Organisatoren gingen zwischen 600 und 800 Fragen ein. Im Chat beteiligten sich vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei ging es nicht nur um Glaubensfragen und den Weg zum Erzbischof, sondern auch um ganz persönliche Themen – etwa Gänsweins früheren Musikgeschmack. Dieser hat sich im Laufe der Zeit verändert: Während er früher Heavy Metal der britischen Rockband Deep Purple hörte, bevorzugt er heute „ganz klassische“ Musikrichtungen.

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Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

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