Todesurteil nach Hilfsbereitschaft? Bischof Kohlgraf kämpft für inhaftierte Iranerin
Eine 33-Jährige soll Demonstranten geholfen haben und wurde zum Tode verurteilt. Der Mainzer Bischof will nicht tatenlos zusehen.

Sie soll verletzte Demonstranten gerettet haben – jetzt droht Mahboubeh Shabani im Iran die Hinrichtung. Die 33-Jährige wurde zum Tode verurteilt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf will das nicht hinnehmen und übernimmt eine politische Patenschaft für die junge Frau.
„Mit diesem Unrecht kann ich mich nicht abfinden“
Bischof Peter Kohlgraf will mit der politischen Patenschaft auf das Schicksal von Mahboubeh Shabani aufmerksam machen. Die 33-Jährige sitzt im Iran in Haft. Menschenrechtsorganisationen zufolge wurde sie wegen „Feindschaft zu Gott“ im Zusammenhang mit der Unterstützung verletzter Demonstranten während der Demonstrationen in Maschhad zum Tode verurteilt.
Bei einem Treffen im Mainzer Bischofshaus am Freitag, 23. Oktober, schilderte der Menschenrechtsaktivist Behrouz Asadi die Situation der Frau. „Hier steht eine Frau vor uns, die nach den Berichten verletzten Menschen geholfen hat, die berufliche Pläne für ihre Zukunft hatte und die nun mit der Todesstrafe konfrontiert ist“, sagte er. Asadi, der vor einem Jahr das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, hatte die Patenschaft vermittelt.
Bischof Kohlgraf erklärte, er könne nicht einschätzen, ob das Engagement tatsächlich etwas bewirke. Dennoch wolle er handeln: „Mit diesem Unrecht kann ich mich nicht abfinden.“ Es gar nicht erst zu versuchen, halte er für den falschen Weg.
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Festnahme nach Protesten
Während der landesweiten Proteste im Januar 2026 soll Shabani mit ihrem Motorrad verletzte Demonstranten zu medizinischen Einrichtungen gebracht haben. Am 2. Februar wurde sie von Sicherheitskräften festgenommen. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass sie dabei geschlagen und anschließend längere Zeit in Einzelhaft gehalten worden sei.
Am 26. September wurde ihrem Rechtsanwalt nach den vorliegenden Angaben das Todesurteil des Revolutionsgerichts in Maschhad mitgeteilt. Nur zwei Tage später soll die 33-Jährige erneut in Einzelhaft verlegt worden sein.
Vor ihrer Festnahme arbeitete Shabani an Bauprojekten und bereitete sich auf eine berufliche Prüfung im Ingenieurwesen vor. Asadi verwies auf ihre Zukunftspläne, die durch das Urteil nun infrage gestellt seien.
Fünfte Patenschaft für Gefangene im Iran
Bereits seit 2022 engagiert sich der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf für politische Gefangene im Iran. Im Rahmen des Patenschaftsprojekts der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) übernahm er zunächst Patenschaften für zwei Inhaftierte. Mit Mahboubeh Shabani setzt er sich nun bereits zum fünften Mal für einen verfolgten Menschen ein.
Aktuell unterstützt Kohlgraf außerdem Arian Farzamnia und Mahmoud Mehrabi. Im April 2026 übernahm er eine Patenschaft für die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh, die kurze Zeit später aus dem Gefängnis entlassen wurde. Auch Reza Nowrozi, für den sich der Bischof eingesetzt hatte, kam nach Angaben der IGFM im Mai 2023 frei.
Seit 2009 hat die IGFM nach eigenen Angaben mehr als 300 politische Patenschaften initiiert. Im Jahr 2011 startete sie ein eigenes Patenschaftsprogramm. Die Organisation leistet seit Jahrzehnten Einzelfallarbeit und setzt sich weltweit für politische Gefangene ein.
Der Menschenrechtsaktivist Behrouz Asadi engagiert sich seit vielen Jahren für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte im Iran. Er hat zahlreiche politische Patenschaften maßgeblich vermittelt und begleitet und setzt sich weiterhin persönlich für das Schicksal der betroffenen Gefangenen ein.
Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.
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