„Vergib uns, dass wir angesammelt haben“: Das Gebet des Papstes über Reichtum
Papst Leo XIV. widmet sein Gebetsanliegen im November dem rechten Umgang mit Reichtum. Er ruft die Gläubigen dazu auf, Besitz zu teilen, die Armen nicht zu vergessen und sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen.
Andreas Nachbar3 min Lesezeit
„Nichts gehört uns allein, alles ist eine gemeinsame Gabe“: Mit diesem Gedanken erinnert der Papst an die Verantwortung jedes Einzelnen. Reichtum könne das Herz verhärten und den Blick für Menschen in Not verstellen, so Leo XIV. Jesus zeige dagegen, dass wahrer Reichtum nicht im Festhalten liege, sondern im Teilen aus Liebe. Ein offenes Herz könne die Welt verändern.
Wachsender Reichtum, wachsende Kluft
Wie aktuell das Thema ist, zeigen Zahlen aus der Finanzwelt. Laut dem „Allianz Global Wealth Report 2026“ stieg das weltweite Geldvermögen privater Haushalte 2025 auf rund 268 Billionen Euro, ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung verfügt dagegen nur über einen sehr kleinen Teil dieses Vermögens.
Auch die Zahl der Millionäre wächst. Nach dem „UBS Global Wealth Report 2026“ kamen 2025 weltweit fast eine Million neue Millionäre in US-Dollar hinzu, das sind mehr als 2.600 pro Tag. Die Vermögen der Reichsten wachsen überdurchschnittlich, während die breite Bevölkerung deutlich weniger zulegt.
Papst kritisiert „Wegwerfkultur“
Die soziale Ungleichheit beschäftigt Leo XIV. nicht erst seit dieser Gebetsmeinung. Schon in seinem ersten apostolischen Schreiben „Dilexi te“, veröffentlicht am 4. Oktober 2025, kritisierte er die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Eine wohlhabende Elite ziehe sich in eine Welt aus Luxus und Komfort zurück, während immer mehr Menschen in Armut lebten. Das begünstige eine „Wegwerfkultur“, die das Leid von Millionen Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen zunehmend ausblende.
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Auftakt zum Welttag der Armen
Die Gebetsmeinung steht im Zusammenhang mit dem 10. Welttag der Armen am 15. November 2026. Unter dem Leitwort „Der Herr ist die Zuflucht der Armen“ stellt der Papst in seiner Botschaft die christliche Verantwortung für Menschen in Not in den Mittelpunkt. Reichtum solle nicht selbstbezogen angehäuft werden. Die Gläubigen sollten sich vielmehr an Gottes Offenheit und Beständigkeit orientieren.
Leo XIV. lädt zudem zu einer ehrlichen Gewissenserforschung ein: Nehmen wir unsere eigene Armut wahr? Suchen wir die Nähe zu Menschen am Rand der Gesellschaft? Hören wir ihnen zu und teilen ihre Hoffnungen? Solidarität solle nicht nur gepredigt, sondern im Alltag konkret gelebt werden.
Das Gebet im Wortlaut
Herr des Lebens, alles, was wir haben, kommt von dir: das fruchtbare Land, die Talente, die wir erhalten haben, der Einsatz derer, die vor uns kamen.
Nichts gehört nur uns – alles ist ein gemeinsames Geschenk. Doch wie oft lassen wir zu, dass der Reichtum, den wir suchen oder erlangen, unsere Herzen verhärtet, uns in Egoismus einschließt und uns die Verletzlichsten vergessen lässt.
Vergib uns, dass wir angesammelt haben, statt zu teilen, und Güter als Machtmittel statt als Möglichkeit zum Dienst genutzt haben. Du erinnerst uns daran, dass wahrer Reichtum nicht in dem liegt, was wir behalten, sondern in dem, was wir aus Liebe verschenken.
Ein Herz, das sich von Besitz löst, verändert die Welt: Es öffnet Wege der Gerechtigkeit, reißt Mauern der Gleichgültigkeit nieder und sät Hoffnung unter den Armen.
Wir bitten dich, Herr, dass dein Geist uns lehrt, das zu nutzen, was wir haben – Geld, Zeit, Talente und Möglichkeiten – als Werkzeuge der Geschwisterlichkeit. Möge jede wirtschaftliche, familiäre oder gemeinschaftliche Entscheidung aus einem freien Herzen entspringen, das erkennt, dass jedes Gut für alle bestimmt ist und dass wir nur durch Teilen die Zukunft gestalten können.
Mach uns zu Zeugen eines Reichtums, der sich in Dienst und Barmherzigkeit verwandelt, damit unser Leben, vereint mit dem Leben anderer, ein Zeichen deines Reiches der Gerechtigkeit und des Friedens sein kann.
Amen.
Beten Sie mit dem Papst hier.

Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…
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