Vermittler zwischen Rom und Deutschland: Nuntius van Megens erste 100 Tage
Seit 100 Tagen ist Hubertus van Megen Nuntius in Deutschland. Kann er den Konflikt zwischen Rom und der Kirche hierzulande entschärfen?

Der Niederländer vertritt als Botschafter des Papstes die Interessen des Vatikans in Deutschland. Seine wichtigste Aufgabe: das angespannte Verhältnis zwischen Rom und der katholischen Kirche in Deutschland entschärfen. Im Ton gibt er sich versöhnlich, in der Sache hält er sich bedeckt. Der eigentliche Test steht noch aus.
Ein Neuanfang in angespannter Lage
Erzbischof Hubertus van Megen ist seit 100 Tagen offiziell als Apostolischer Nuntius in Deutschland im Amt. Seit Mitte Juni lebt er in Berlin. Am 23. Juli überreichte er Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sein Beglaubigungsschreiben und übernahm damit traditionell auch das Amt des Doyens des Diplomatischen Korps.
In den ersten Wochen absolvierte er zahlreiche Termine, darunter den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen sowie die Bischofseinführungen von Heiner Wilmer in Münster und Christian Würtz in Eichstätt. Dazu traf er Vertreter aus Kirche, Politik, Gesellschaft und Medien.
Worum es im Streit geht
Konfliktstoff ist vor allem der Synodale Weg. Das Reformprojekt entstand als Reaktion auf die Missbrauchskrise und wurde gemeinsam von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) getragen. Es beschäftigte sich unter anderem mit der Rolle von Frauen in der Kirche, der Mitbestimmung von Laien und der Frage, wie Macht in der Kirche kontrolliert wird.
Die Bischöfe beschlossen eine Satzung für eine dauerhafte Synodalkonferenz, in der Bischöfe und Laien gemeinsam beraten sollen. Sie liegt seit dem Frühjahr zur Prüfung in Rom. Eine Entscheidung gibt es bislang nicht, die erste Sitzung der Konferenz wurde vorerst abgesagt. Im Vatikan und in Teilen der Weltkirche wird das Vorhaben seit Jahren kritisch gesehen. Die Sorge: Ein nationales Gremium könne wie eine zweite Kirchenleitung wirken.
Van Megen kennt beide Perspektiven. „Manchmal hat man den Eindruck, die Kirche in Deutschland läuft immer ein bisschen voraus“, sagte er. Ein großer Teil der Weltkirche blicke nach Deutschland und frage sich: „Was geschieht da?“ Zugleich herrsche Unsicherheit, wie man mit den Entwicklungen umgehen solle.
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Zwischen Würdigung und Zurückhaltung
In seinem ersten großen Interview im September würdigte der Nuntius, dass die Kirche in Deutschland ihre Reformwünsche bislang stets Rom vorgelegt hat. Daran erkenne man, dass sie keinen Alleingang wolle. Zugleich mahnte er zur Geduld: Zur Satzung der Synodalkonferenz riet er, erst einmal abzuwarten. Er plante, Ende Oktober nach Rom zu reisen, um aus erster Hand zu erfahren, wie der deutsche Vorschlag dort aufgenommen wird.
Vatikankenner beschreiben ihn laut Berichten als versöhnlich im Tonfall, aber klar in der Sache. Wie eng seine Spielräume sind, zeigt seine Rolle: Van Megen ist Kirchenrechtler und vertritt in Deutschland die Positionen des Heiligen Stuhls. Ob er zwischen Rom und der Kirche in Deutschland vermitteln kann, hängt davon ab, wie beide Seiten seine Rolle annehmen.
Skeptische Stimmen erwarten von Rom keine glatte Zustimmung. Der Theologe Jan-Heiner Tück rechnet mit einem „Ja, aber“. Die Konferenz dürfe nicht den Anschein einer nationalen Kirchenleitung erwecken. Andere Beobachter lesen van Megens Ernennung durch Papst Leo XIV. dagegen als Signal, dass Rom den Reformkurs bremsen will.
Ein Nuntius, der zu Fuß unterwegs ist
Schon bei seiner Ankunft am Berliner Flughafen fiel sein ungewöhnlich kleines Gepäck auf. „Ich bin frugal“, sagt van Megen über sich. Er brauche nicht viel: „Einen Apfel ziehe ich Süßigkeiten vor.“ Berlin erkundet er gern zu Fuß, regelmäßig auch im benachbarten Kreuzberg. Nach eigenen Angaben ist er mindestens anderthalb Stunden täglich unterwegs.
Dabei beobachtet er auch den gesellschaftlichen Wandel. Bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz sprach er über die wachsende Vielfalt an kulturellen Prägungen und Wertvorstellungen. Die Vorstellung Deutschlands als weitgehend homogene Nation gehöre in vielerlei Hinsicht der Vergangenheit an.
Die Bewährungsprobe steht noch aus: Sie kommt, sobald Rom über die Satzung der Synodalkonferenz entscheidet. Dann zeigt sich, ob die Gesprächsbasis trägt, die der Nuntius in den ersten 100 Tagen aufgebaut hat.
Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.
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