Wo die Kirche schon verloren schien, wächst neuer Glaube
Die Niederlande galten als extremes Beispiel der Säkularisierung in Europa. Doch Bischof Jan Hendriks berichtet von einer erstaunlichen Trendwende unter jungen Menschen.

Die Niederlande galten lange als Beispiel der Säkularisierung. Doch nun entdecken immer mehr junge Menschen in den Niederlanden den katholischen Glauben für sich. Bischof Jan Hendriks spricht von einer überraschenden Wende: Allein in seiner Diözese wurden im vergangenen Jahr fast 350 Menschen erstmals katholisch.
Junge Niederländer entdecken den Glauben neu
Am Sonntag hat Papst Leo XIV. rund 70 junge Sänger aus der Diözese Haarlem-Amsterdam bei ihrer Wallfahrt nach Rom beim Angelus begrüßt. Für die Jugendlichen war es ein besonderer Moment. Die rund 140-köpfige Pilgergruppe besucht bedeutende Stätten des Christentums und erlebt dabei die weltweite Gemeinschaft der Kirche. Viele der jungen Teilnehmer gehören dem Chor Sint Bavo an der gleichnamigen Kathedrale in Haarlem an.
Bischof Jan Hendriks bezeichnete die Begegnung mit dem Papst als „große Freude und Ehre“. Die jungen Pilger fühlten sich Leo XIV. verbunden und begleiteten ihn mit ihrem Gebet. Umso bewegender sei der Moment gewesen, als der Papst kurz darauf ins Krankenhaus musste.
Die Entwicklung steht für einen bemerkenswerten Wandel in den Niederlanden. Bereits in den 1960er-Jahren setzte dort eine tiefgreifende Säkularisierung ein. Vieles von dem, was Kirchen heute in Deutschland und anderen europäischen Ländern erleben, habe die niederländische Kirche bereits vor Jahrzehnten durchgemacht, erklärt Hendriks. Zeitweise habe sogar die Sorge bestanden, die Kirche könne langfristig ganz verschwinden.
Doch inzwischen beobachtet der Bischof neue Zeichen der Hoffnung: Immer mehr junge Menschen interessieren sich wieder für den katholischen Glauben und entscheiden sich für einen Eintritt in die Kirche.
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„Wir müssen uns an Jesus Christus anpassen“
Fast 350 Menschen sind im vergangenen Jahr in der Diözese Haarlem-Amsterdam erstmals katholisch geworden – die meisten von ihnen junge Menschen. Für Bischof Jan Hendriks ist das ein ermutigendes Zeichen. Auch für das laufende Jahr rechnet er mit steigenden Zahlen. Zudem berichten Religionslehrkräfte von einem wachsenden Interesse junger Menschen an religiösen Fragen.
Hendriks führt diese Entwicklung auch auf ein verändertes gesellschaftliches Klima zurück. Während früher kritische Stimmen gegenüber Rom und kirchliche Kontroversen das Bild der Kirche geprägt hätten, nehme er heute mehr Offenheit für den katholischen Glauben wahr.
Für den Bischof bedeutet das jedoch nicht, dass sich die Kirche dem Zeitgeist anpassen müsse. Entscheidend sei vielmehr, sich an Jesus Christus auszurichten. „Wir müssen uns an Jesus Christus anpassen“, lautet seine Überzeugung.
Zugleich müsse die Kirche junge Menschen auf ihrem Glaubensweg begleiten. Sie sollten entdecken können, dass der Glaube mehr sei als eine Sammlung von Regeln und Lehren: eine persönliche Begegnung mit Christus, die heilen, Halt geben und dem Leben eine neue Richtung eröffnen könne.
Für Hendriks steht fest: Auch dort, wo die Säkularisierung lange unaufhaltsam schien, kann der Glaube wieder neue Wurzeln schlagen. Die Entwicklung in den Niederlanden gibt Anlass zur Hoffnung.
Über Andreas Nachbar
Redakteur / Autor bei GodMag.
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