Glauben

Allerheiligen: Warum wir besonders im November der Toten gedenken

Warum besuchen wir im November Gräber und zünden Kerzen an? Ein Blick auf Geschichte, Bedeutung und Bräuche von Allerheiligen und Allerseelen.

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Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Allerheiligen: Warum wir besonders im November der Toten gedenken
(c) GoranH - pixabay user_id:3989449

Am Sonntag, dem 1. November, feiert die katholische Kirche Allerheiligen, tags darauf folgt Allerseelen. Wenn die Tage kürzer werden und die Natur ihre Farbe verliert, rückt der Tod stärker ins Bewusstsein: Viele besuchen die Gräber ihrer Liebsten, zünden Kerzen an und gedenken der Verstorbenen.

Was wird an Allerheiligen gefeiert?

An Allerheiligen, dem 1. November, richtet sich der Blick der katholischen Kirche auf alle Heiligen – darunter bekannte Persönlichkeiten wie Franz von Assisi, der heilige Martin oder Edith Stein. Doch das Hochfest ist nicht allein ihnen gewidmet. Es erinnert ebenso an jene Menschen, deren Heiligkeit im Verborgenen geblieben ist und die nur Gott kennt. In jedem Menschen, der Frieden stiftet und Gutes tut, steckt ein wenig Heiligkeit.

Dabei geht es um mehr als ein außergewöhnliches, makelloses Leben oder einen Märtyrertod. Nach christlichem Verständnis ist jeder Mensch zur Heiligkeit berufen. Sie zeigt sich auch im Alltag – etwa durch Nächstenliebe, Menschlichkeit und den Einsatz für Frieden und Freiheit.

„Totenmonat“ November: eine Zeit des Erinnerns

Der November gilt traditionell als Monat des Totengedenkens. Dass diese Zeit im Zeichen von Abschied und Vergänglichkeit steht, ist kaum verwunderlich: Die Tage werden kürzer, das Wetter oft trüb und die Natur verliert ihre Farben. Bäume werfen ihre Blätter ab, die Landschaft wird zunehmend kahl – der Wandel der Jahreszeit führt die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen.

Neben den kirchlichen Gedenktagen hat auch das weltliche Erinnern seinen festen Platz im November. Am Volkstrauertag, dem zweiten Sonntag vor dem ersten Advent, wird in Deutschland der Opfer beider Weltkriege und des Nationalsozialismus gedacht. Kranzniederlegungen und Gedenkfeiern erinnern an das Leid der Vergangenheit und mahnen zu Versöhnung und Frieden.

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Ein Fest mit langer Geschichte

Die Ursprünge von Allerheiligen reichen bis ins 4. Jahrhundert zurück. Damals gedachten die frühen Christen aller Heiligen am Sonntag nach Pfingsten. Dieser „Herrentag aller Heiligen“ wird mit Johannes Chrysostomus in Verbindung gebracht und hat sich in der griechisch-orthodoxen Kirche bis heute erhalten. Ursprünglich stand das Fest in engem Zusammenhang mit Ostern und der Auferstehung Christi. Das Leben der Heiligen galt als Ausdruck dieses Heilsgeschehens.

Der 1. November als Festtermin setzte sich ab dem 8. Jahrhundert durch. Nach verbreiteter Darstellung ließ Papst Gregor III. in St. Peter in Rom eine Kapelle für alle Heiligen weihen, im 9. Jahrhundert wurde das Fest im Frankenreich eingeführt. Auch irische Traditionen werden als Einfluss genannt, denn dort begann um diese Zeit der Winter und zugleich das neue Jahr. Der Gedenktag Allerseelen am 2. November geht auf den Abt Odilo von Cluny zurück, der ihn um das Jahr 998 einführte.

Auch der Name Halloween geht darauf zurück: Er leitet sich von ‚All Hallows’ Eve‘ ab, dem Vorabend von Allerheiligen.

Gräberbesuch als Zeichen der Verbundenheit

Der Besuch auf dem Friedhof gehört für viele Menschen rund um Allerheiligen und Allerseelen fest zur Tradition. Sie schmücken die Gräber mit Blumen, entzünden Kerzen und nehmen sich Zeit für das Gedenken. Für Christen ist dieser Brauch mehr als eine Geste der Erinnerung: Sie fühlen sich auch über den Tod hinaus mit den Verstorbenen verbunden und vertrauen darauf, dass diese durch Christus erlöst sind und bei Gott ein neues Leben gefunden haben.

Besonders deutlich wird diese Hoffnung bei der traditionellen Gräbersegnung. Sie bringt den Glauben an die Auferstehung zum Ausdruck und erinnert daran, dass der Tod aus christlicher Sicht nicht das letzte Wort hat. So wie die Natur im Frühjahr zu neuem Leben erwacht, so dürfen auch Christen auf die Auferstehung hoffen. Weil Jesus Christus den Tod besiegt hat, ist auch ihnen das ewige Leben bei Gott verheißen.

Zum Brauchtum gehören vielerorts auch Gebäcktraditionen. In Österreich und Teilen Süddeutschlands ist es üblich, dass Taufpaten ihren Patenkindern einen Allerheiligenstriezel oder Seelenzopf schenken.

Gebet für die Verstorbenen

Mit Allerheiligen und Allerseelen ist auch die katholische Vorstellung vom Fegefeuer verbunden. Sie beschreibt einen Zustand der Läuterung für Menschen, die in der Gnade Gottes gestorben sind, aber noch der Reinigung bedürfen. Das Fegefeuer ist keineswegs mit der Hölle gleichzusetzen. Durch Gebete und Fürbitten sind Christen aufgerufen, den Verstorbenen auf diesem Weg zu helfen. Das Gebet wird so zu einem Zeichen der Hoffnung und der Verbundenheit über den Tod hinaus.

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.
Und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen in Frieden.
Amen.



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Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.

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