Allerseelen: Wenn Kerzen vom Leben nach dem Tod erzählen
Kerzen, Gräber und Gebete: Am 2. November gedenken Katholiken ihrer Verstorbenen. Was hinter dem Gedenktag Allerseelen steckt und woher seine Bräuche stammen.

Heute, am 2. November, begeht die katholische Kirche Allerseelen, den zweiten Teil des Doppelfestes rund um Allerheiligen. Während am 1. November die Heiligen im Mittelpunkt stehen, gilt das Gedenken einen Tag später allen Verstorbenen. Mit Kerzen auf den Gräbern, Gebeten und Requiem-Messen wird die Erinnerung an sie wachgehalten. Doch die Botschaft des Tages reicht weiter: Sie richtet den Blick auf die Hoffnung auf Auferstehung.
Ein Gedenktag mit langer Geschichte
Das Gebet für Verstorbene ist im Christentum seit dem 2. Jahrhundert bezeugt. Der Gedenktag am 2. November geht aber auf Abt Odilo von Cluny zurück: Im Jahr 998 ordnete er für alle ihm unterstellten Klöster an, am Tag nach Allerheiligen aller Verstorbenen zu gedenken. Von Cluny aus verbreitete sich der Brauch in der westlichen Kirche. In Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt.
Eine Neuerung brachte das Jahr 1915. Während des Ersten Weltkriegs erlaubte Papst Benedikt XV. allen Priestern der lateinischen Kirche, an Allerseelen drei Messen zu feiern. Die Praxis war vorher vor allem aus Spanien und Portugal bekannt.
Eine Kirche über den Tod hinaus
Allerseelen macht deutlich, dass die Gemeinschaft der Kirche über den Tod hinaus besteht. Nach katholischer Lehre gehören dazu drei Gruppen:
- die triumphierende Kirche im Himmel, zu der die Heiligen zählen,
- die leidende Kirche im Fegefeuer, also jene Verstorbenen, die noch der Läuterung bedürfen,
- die pilgernde Kirche auf Erden, zu der die Lebenden gehören.
Alle drei sind durch Christus miteinander verbunden. Im Mittelpunkt des Tages steht deshalb das Gebet für die Verstorbenen, besonders für die Seelen im Fegefeuer. Gebete, gute Werke und die Feier der Eucharistie sollen ihnen auf dem Weg zur endgültigen Gemeinschaft mit Gott beistehen.
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Kerzenlicht auf den Friedhöfen
Zu den festen Traditionen gehört der Gang zu den Gräbern. Vielerorts versammeln sich die Gläubigen schon am Nachmittag des 1. November auf den Friedhöfen. Die Gräber werden mit Blumen geschmückt und mit Weihwasser besprengt. Angehörige stellen Kerzen auf, die als Seelenlichter an die Verstorbenen erinnern. Ihr Schein steht für das ewige Licht und die Hoffnung auf Auferstehung. Der Brauch ist belegt seit dem 16. Jahrhundert, dürfte aber ältere Wurzeln haben.
Requiem und Memento mori
In den Kirchen werden Requiem-Messen gefeiert. Der Name geht auf den lateinischen Eröffnungsgesang der Totenmesse zurück: „Requiem aeternam dona eis, Domine“, auf Deutsch „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“.
Auch die eigene Sterblichkeit hat im Gottesdienst ihren Platz. Das „Memento mori“, „Bedenke, dass du sterben musst“, soll jedoch nicht Angst machen. Es soll den Blick auf die christliche Hoffnung lenken: Der Tod ist nicht das Ende, sondern steht im Licht der Auferstehung.
Von Geistern und Gottvertrauen
Rund um Allerseelen entstanden früher zahlreiche volkstümliche Vorstellungen. Viele Menschen glaubten, die Seelen Verstorbener wanderten als Geister umher, warteten auf Erlösung oder mahnten die Lebenden an offene Schuld. Dahinter stand die tief verwurzelte Angst vor dem Tod und dem Ungewissen. Von diesem Volksglauben ist auch das heutige Halloween am Vorabend von Allerheiligen beeinflusst.
Die Kirche setzt dieser Furcht die Botschaft von Gottes Liebe entgegen. Im Zentrum steht nicht die Angst vor den Toten, sondern der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi. Durch die Taufe sind die Gläubigen mit ihm verbunden, und diese Verbundenheit hat auch über den Tod hinaus Bestand.
Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.
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