Christenverfolgung

Angriff auf katholische Kirche in Indien: Hunderte Hindu-Nationalisten stürmen Gotteshaus

In Westbengalen stürmten Hunderte Aktivisten eine katholische Kirche und griffen Gläubige bei einem Gebetstreffen an. Der Vorwurf: Zwangsbekehrung! Christliche Vertreter fordern nun konsequente Aufklärung.

A
Andreas Nachbar
4 min Lesezeit
Angriff auf katholische Kirche in Indien: Hunderte Hindu-Nationalisten stürmen Gotteshaus
(c) Bildnachweis: Beitragsbild @ Chandrak - pixabay user_id:7553588

Erneut kommt es zu Angriffen auf Christen im indischen Bundesstaat Westbengalen: Rund 200 Aktivisten der hindu-nationalistischen Organisation Vishwa Hindu Parishad (VHP) sollen eine katholische Kirche gestürmt, Gläubige angegriffen und religiöse Statuen beschädigt haben. Der Vorwurf: Christliche Missionare würden Hindus zum Christentum bekehren. Der Angriff auf die Kirche St. Louis im Dorf Jalalkhai ist kein Einzelfall. Bereits im August kam es zu Übergriffen hindu-nationalistischer Gruppen auf Christen – darunter Angriffe auf Hauskirchen und Gottesdienste sowie die Festnahme von Christen wegen des Vorwurfs der Zwangsbekehrung. Nun wächst die Sorge, dass sich das Klima der Einschüchterung auch in Westbengalen weiter verschärft. Bischof Nirmol Vincent Gomes SDB von Krishnanagar spricht von der schlimmsten Form von Gewalt, die seine Diözese bisher erlebt habe.

Angreifer verwüsten katholisches Kirchengelände

Gegen 18 Uhr fuhren die Angreifer mit Fahrzeugen vor der katholischen Kirche St. Louis im westbengalischen Dorf Jalalkhai vor. Bewaffnet mit Ziegeln und Bambusstöcken versuchten sie, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Pfarrer Jithin Muthukattil von der Vincentian Congregation berichtete dem katholischen Nachrichtenportal UCA News, Gemeindemitglieder hätten noch versucht, das Eingangstor zu verschließen und mit Bambus zu verbarrikadieren.

Doch der Mob ließ sich nicht aufhalten: Die Angreifer warfen Steine und Ziegel, durchbrachen die Absperrungen und drangen auf das Kirchengelände ein. Dabei beschädigten sie die provisorischen Tore sowie die Glasabdeckungen mehrerer Statuen, darunter eine Statue von Jesus Christus.

„Die Angreifer riefen Parolen gegen Christen und die Kirche, beschädigten Eigentum und griffen Menschen an, die sich vorwagten, um das Kirchengelände zu schützen“, erklärte der Priester.

Erst gegen 19 Uhr traf die Polizei ein und brachte die Lage unter Kontrolle. Festnahmen gab es zunächst jedoch keine. Samir Lahiri, Sekretär der Laienkommission der Diözese, kritisierte, dass die Täter nicht festgenommen worden seien. Ein ranghoher Polizeibeamter aus Krishnanagar bestätigte unterdessen, dass eine Anzeige eingegangen sei und die Ermittlungen liefen.

Unterstützen Sie uns

Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.

GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.

Gebetstreffen abgebrochen – Vorwurf der Bekehrung

Hintergrund des Angriffs war ein mehrtägiges Gebetstreffen, zu dem rund 1.900 Santal-Christen aus der Umgebung im angeschlossenen Divine Love Retreat Centre zusammengekommen waren.

Nach Angaben von AsiaNews ordneten die Behörden den Abbruch mit Verweis auf Sicherheitsbedenken und eine angeblich fehlende Genehmigung für eine Versammlung dieser Größe an. Der Organisator soll jedoch zuvor die Erlaubnis des Distriktmagistrats eingeholt haben. „Wegen des Angriffs und der Drohungen haben wir es am 10. Oktober nach der heiligen Messe und dem Frühstück beendet“, erklärte Pfarrer Jithin Muthukattil gegenüber UCA News.

Die Angreifer warfen den christlichen Missionaren vor, Hindus zum Christentum zu bekehren. Arindam Kar, Sekretär der VHP in Nord-Kolkata, behauptete laut The Indian Express: „Bekehrungen mit der Verlockung von Geld und Wundern werden durchgeführt.“

Der Priester Dominic Gomes, Kanzler der Erzdiözese Kalkutta, wies diese Anschuldigungen entschieden zurück. Das Treffen habe einen ganz anderen Zweck verfolgt: „Das Gebetstreffen ist ein Schritt zurück von der Welt, um tief zu beten, und soll geistliche Unterstützung und Erneuerung ihres Glaubens bieten“, erklärte er.

Christen fordern Konsequenzen: „Wir können nicht schweigen“

Nach dem Angriff wächst in der katholischen Kirche und unter christlichen Vertretern die Forderung nach einer konsequenten Aufklärung und strafrechtlichen Verfolgung der Verantwortlichen. Herod Mullick, Gründungssekretär des Bengal Christian Council, appellierte an die Behörden, unverzüglich zu handeln. Er forderte eine „unparteiische Untersuchung“, die Wiederherstellung von Recht und Ordnung sowie die rasche Festnahme und Bestrafung aller Täter.

Zugleich wies Mullick gegenüber AsiaNews Darstellungen zurück, wonach Christen selbst die Auseinandersetzung durch Steinwürfe ausgelöst hätten. „Das ist völlig unwahr“, stellte er klar.

Auch Bischof Nirmol Vincent Gomes von Krishnanagar geht davon aus, dass der Übergriff gezielt vorbereitet wurde. Während die Santal-Christen ihre jährliche geistliche Einkehr hielten, seien die Angreifer in großer Zahl von außerhalb angereist – ausgerüstet mit Holzstöcken, Knüppeln und weiteren Waffen.

Die Folgen reichen nach seinen Worten weit über die materiellen Schäden hinaus: „Unsere Leute haben Angst, und der Vorfall hat erhebliche Spannungen ausgelöst.“

Besonders alarmierend sei die Entwicklung des gesellschaftlichen Klimas gegenüber Christen in Westbengalen. Während es früher nur vereinzelt zu kleineren Zwischenfällen gekommen sei, habe sich die Lage inzwischen deutlich verschärft. Der Bischof beklagte, dass Menschen gezielt aufgehetzt und Misstrauen gegenüber dem Christentum und der christlichen Gemeinschaft geschürt würden. Seine Warnung fällt deutlich aus: „Wir können nicht schweigen.“

A

Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.

Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.

Kommentare (0)

Sie können auch als Gast kommentieren. Wir senden Ihnen eine E-Mail zur Bestätigung; danach wird Ihr Kommentar von der Redaktion geprüft.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden geladen...

Bleiben Sie auf dem neuesten Stand – melden Sie sich für unseren Newsletter an