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„Bischof von Absurdistan“: Bischof Feige zieht Fazit nach 20 Jahren im Bistum Magdeburg

Kurz vor seinem 75. Geburtstag blickt Bischof Gerhard Feige auf über 20 Jahre an der Spitze des Bistums Magdeburg zurück und zieht eine persönliche Bilanz.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
„Bischof von Absurdistan“: Bischof Feige zieht Fazit nach 20 Jahren im Bistum Magdeburg
(c) Bistum Magdeburg/Anja Schlender

Nach über 20 Jahren an der Spitze des Bistums Magdeburg hat Bischof Gerhard Feige Papst Leo XIV. seinen Rücktritt angeboten. Kurz vor seinem 75. Geburtstag spricht er über Hassmails, Mitgliederschwund und die Frage, wie er so lange durchgehalten hat.

Gerhard Feige wurde 1951 in Halle geboren und ist der zweite Bischof des 1994 neu gegründeten Bistums Magdeburg, das er seit dem 16. April 2005 leitet. Am 19. November wird er 75 und erreicht damit die kirchenrechtliche Altersgrenze. Sein Rücktrittsgesuch an Papst Leo XIV. hat er bereits übermittelt. Wann der Papst über das Gesuch entscheidet, ist offen. Feige geht davon aus, dass er seiner Bitte entsprechen wird.

Hassmails und Anfeindungen: Feiges schwerste Jahre

„Ehrlich gesagt: Ich staune selbst, durchgehalten zu haben.“ So blickt Feige auf mehr als 20 Jahre als Magdeburger Bischof zurück. Zuletzt habe er sich mitunter gefühlt, als sei er der „Bischof von Absurdistan“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). An einen vorzeitigen Ruhestand habe er dennoch nie gedacht.

Nicht immer einfach war der Umgang mit Anfeindungen. Feige warnt seit Jahren vor der AfD in Sachsen-Anhalt und hat öffentlich gegen Rechtsextremismus Stellung bezogen. Deshalb sei er nach eigenen Angaben zur Zielscheibe von Hassmails, Beschimpfungen und Diffamierungen geworden. Vor der Landtagswahl im September sagte er der „Süddeutschen Zeitung“, die Partei erreiche mit Ängsten und Instinkten, wo sachliche Argumente nicht greifen. Die Kirche werde beschimpft, lächerlich gemacht und unter Druck gesetzt. Die AfD hatte laut epd zuvor in ihrem Wahlprogramm auch die Kirchen als Institution angegriffen.

Sein Durchhaltevermögen führt Feige auch auf seine Erziehung zurück. Von seiner Mutter habe er Pflichtbewusstsein und einen Hang zur Perfektion mitbekommen, von seinem Vater die Lebensfreude und eine gute Portion Humor. Rückhalt habe ihm zudem sein Umfeld gegeben: Mitarbeiter und Freunde hätten ihn bestärkt, ermutigt und in schwierigen Zeiten auch getröstet. Dafür sei er sehr dankbar.

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Von 186 auf 44 Pfarreien: Ein Bistum schrumpft

Seine Zeit als Bischof versteht Feige vor allem als Lernprozess. Er habe versucht, das Bistum im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten und Grenzen zu gestalten. Seine Rolle sehe er dabei nicht als die eines Unternehmensleiters. Vielmehr verstehe er sich als „verantwortlicher Wegbegleiter dieser Schicksalsgemeinschaft von Kirche“.

Dass diese Aufgabe zunehmend schwieriger wurde, verhehlt Bischof Feige nicht. „Immer wieder bestand meine Aufgabe auch darin, Schaden zu begrenzen, dem Mangel etwas Positives abzugewinnen, nach neuen unpopulären Lösungen zu suchen und Hoffnung zu vermitteln“, betonte er. Zu den größten Herausforderungen zählten die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, rückläufige finanzielle Mittel sowie Kirchenaustritte und die Überalterung der Mitglieder. Dem Bistum Magdeburg gehören inzwischen noch rund 67.000 Katholiken an.

Auch die kirchlichen Strukturen haben sich deutlich verändert: Seit 2010 sank die Zahl der Pfarreien von 186 auf 44. Mehr als die Hälfte der Gemeinden wird mittlerweile von Leitungsteams geführt, an denen auch Laien beteiligt sind. Die pastoralen Zukunftsgespräche seien eine Antwort auf die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte gewesen, erklärte Feige.

Mehr Zeit für Familie und Kultur

Konkrete Pläne für die Zeit nach seinem Rücktritt hat Gerhard Feige bislang kaum. Zunächst freue er sich darauf, Verantwortung abzugeben, und hoffe, dass damit auch der berufliche Druck nachlasse. Künftig wolle er das Leben „etwas gemütlicher angehen“. Mehr Zeit möchte er mit Freunden und Verwandten verbringen, häufiger ins Theater und in Konzerte gehen sowie wieder mehr reisen. Vielleicht werde er auch sein altes Klavier wieder hervorholen.

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Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.

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