Familie

Bischof Wilmer zu Ehe und Familie: Wo die Kirche um Antworten ringt

Zehn Jahre nach Amoris laetitia trafen sich Bischöfe aus aller Welt in Rom, um über Ehe und Familie zu beraten. Bischof Wilmer berichtet von Erkenntnissen, Konflikten und offenen Fragen.

A
Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Bischof Wilmer zu Ehe und Familie: Wo die Kirche um Antworten ringt
(c) Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic

Vor wenigen Tagen ging das weltweite Bischofstreffen zum zehnjährigen Jubiläum von Amoris laetitiain Rom zu Ende. Im Mittelpunkt standen Ehe und Familie als Fundament des Glaubens – doch gerade beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und ihrer Zulassung zur Kommunion traten unterschiedliche Positionen deutlich hervor. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sieht weiterhin offene Fragen. Zugleich mahnt er, auch Gewalt in Familien konsequent in den Blick zu nehmen.

Wilmer zieht positive Bilanz des Bischofstreffens

Mit Dankbarkeit und bewegenden Eindrücken ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, aus Rom zurückgekehrt. Zum zehnten Jahrestag von Amoris laetitia hatte Papst Leo XIV. die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit eingeladen, um über aktuelle Herausforderungen für Ehe und Familie zu beraten. Wilmer dankte dem Papst für die Initiative und zeigte sich erleichtert über den guten Verlauf seiner Lungenoperation.

Besonders bereichernd seien die Gespräche in seiner italienischsprachigen Arbeitsgruppe gewesen. Gemeinsam mit Bischöfen aus Asien, Europa und Lateinamerika sowie dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre habe er darüber diskutiert, wie Ehe und Familie in unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten gelebt werden. Die Herausforderungen seien teils erheblich verschieden, betonte Wilmer. Gerade deshalb sei es wichtig gewesen, „voneinander zu hören und miteinander im Dialog zu sein“.

Unterstützen Sie uns

Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.

GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.

Familie als Ort des Glaubens – und Ort ungelöster Konflikte

Beim Bischofstreffen wurde die Bedeutung der Familie für die Weitergabe des Glaubens hervorgehoben. Familien seien ein lebendiges Glaubenszeugnis und für die Erstverkündigung des Evangeliums von zentraler Bedeutung, betonte Bischof Heiner Wilmer. Neben den Eltern spielten dabei auch Großeltern eine wichtige Rolle. Zugleich könnten Kinder ihre Erfahrungen mit Bibel, Glauben und kirchlichen Festen aus katholischen Kindergärten in ihre Familien tragen.

Wilmer würdigte außerdem das Engagement für Kinder aus benachteiligten Familien. Die Arbeit des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ zeige beispielhaft, dass Solidarität „kein theoretischer Begriff“ sei. Zugleich hätten die Gespräche den Bedarf verdeutlicht, sich intensiver mit den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Familie, zur Glaubensweitergabe und zur Heiligen Schrift auseinanderzusetzen.

Kontrovers diskutierten die Bischöfe hingegen über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und deren Zulassung zur Kommunion. Dabei seien unterschiedliche Auffassungen über das Verhältnis von Kirchenrecht und den pastoralen Perspektiven von Amoris laetitia deutlich geworden. Diese Fragen blieben eine Herausforderung, so Wilmer. Deutlich äußerte sich der Bischof auch zu Gewalt innerhalb von Familien. Gewalt gegen Frauen bis hin zu Femiziden sei eine „erschütternde Realität“, die bei der Auseinandersetzung mit Ehe und Familie nicht ausgeblendet werden dürfe. Die Kirche müsse sich klar für den Schutz der Betroffenen einsetzen.

Kirche muss von Familien lernen

Mit zahlreichen Anregungen, aber auch offenen Fragen ist Bischof Heiner Wilmer aus Rom zurückgekehrt. Die Kirche müsse nicht nur versuchen, Antworten auf die Herausforderungen von Familien zu finden, sondern auch bereit sein, „von ihnen zu lernen“, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Gerade im Alltag, in der Liebe, in Konflikten und in der Versöhnung zeige sich, welche Bedeutung das nachsynodale Schreiben Amoris laetitia habe. Es gelte, genau hinzuschauen, zuzuhören und auch schwierige Lebenssituationen offen anzusprechen. Die Begegnungen mit Bischöfen und Ehepaaren aus aller Welt hätten ihm verdeutlicht, wie wichtig dieser Ansatz sei. Auch zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibe Amoris laetitia wegweisend für die kirchliche Begleitung von Partnerschaft, Ehe und Familie, so Wilmer.

A

Über Andreas Nachbar

Redakteur / Autor bei GodMag.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.

Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.

Kommentare (0)

Sie können auch als Gast kommentieren. Wir senden Ihnen eine E-Mail zur Bestätigung; danach wird Ihr Kommentar von der Redaktion geprüft.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden geladen...

Bleiben Sie auf dem neuesten Stand – melden Sie sich für unseren Newsletter an

Bischof Wilmer zieht Bilanz zu Ehe und Familie in Rom | GodMag