Captain Picard ist gestorben – und wo ist er jetzt?
Patrick Stewart, der Captain Picard, glaubte nicht an Gott. Darf man für ihn auf den Himmel hoffen? Die Antwort der Kirche ist ernster und hoffnungsvoller, als viele denken.

Für Millionen Menschen war er der Inbegriff eines guten Kapitäns: ruhig, gerecht, gebildet, ein Mann, der lieber verhandelt als schießt. Nun ist Sir Patrick Stewart tot. Er starb am Mittwoch, dem 28. Oktober, in seinem Haus in Los Angeles im Alter von 86 Jahren, umsorgt von seiner Frau Sunny, nach einer kurzen, schweren Erkrankung an Alzheimer und Lewy-Körperchen-Demenz.
Wer war dieser Mann, der so vielen ein Bild von Würde schenkte? Und was dürfen Christen für einen Menschen hoffen, der sagte, er sei „kein gläubiger Mensch“?
Ein Leben auf der Bühne und vor der Kamera
Patrick Stewart kam aus einfachen Verhältnissen im nordenglischen Mirfield. Ein engagierter Englischlehrer, Cecil Dormand, brachte ihn zu Shakespeare und zur Schauspielerei. Ab 1966 gehörte er zur Royal Shakespeare Company. Fast zwei Jahrzehnte lang stand er vor allem auf der Bühne, im Fernsehen sah man ihn in britischen Klassikern wie Ich, Claudius und Smileys Leute, im Kino in Excalibur und David Lynchs Der Wüstenplanet.
Der Durchbruch kam spät, mit 47 Jahren: 1987 übernahm er in Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert die Rolle des Captain Jean-Luc Picard. Sieben Staffeln und vier Kinofilme folgten (Treffen der Generationen, Der erste Kontakt, Der Aufstand, Nemesis). 2020 kehrte er mit der Serie Star Trek: Picard noch einmal für drei Staffeln zu der Rolle zurück.
Eine zweite Generation kennt ihn als Professor Charles Xavier, den weisen Mentor der Mutanten in den X-Men-Filmen ab 2000. Besonders bewegend war sein Auftritt in Logan (2017) als alter, gebrechlicher Mann, der von seinem Ziehsohn gepflegt wird. Für Avengers: Doomsday, der im Dezember 2026 ins Kino kommt, hat er die Rolle noch einmal gespielt. Es wird sein letzter Film sein.
Dazwischen zeigte er eine erstaunliche Bandbreite: König Richard in Mel Brooks’ Komödie Robin Hood – Helden in Strumpfhosen, die Stimme des Pharao Seti I. im Zeichentrickfilm Der Prinz von Ägypten, Kapitän Ahab in Moby Dick, Ebenezer Scrooge in Eine Weihnachtsgeschichte, den er auch jahrelang als Ein-Mann-Stück auf der Bühne spielte, und einen Neonazi-Anführer im Thriller Green Room. In der Zeichentrickserie American Dad sprach er über viele Jahre den CIA-Chef Avery Bullock.
Auf der Bühne blieb er Shakespeare treu, sein Macbeth wurde 2008 für den Tony Award nominiert. Am Broadway spielte er mit seinem engen Freund Ian McKellen Becketts Warten auf Godot und Pinters Niemandsland.
2023 erschien seine Autobiografie Making It So. Es ist, soweit bekannt, das einzige Buch, das er selbst geschrieben hat.
Ein Atheist, der am Ende offener wurde
Stewart besuchte als Kind Schulen der Church of England. Sein Vater kehrte vom Krieg traumatisiert zurück, wurde zum Wochenend-Trinker und misshandelte die Familie. Stewart setzte sich später für Opfer häuslicher Gewalt ein.
Einen ausdrücklichen Grund, warum er nicht an Gott glaubte, hat er öffentlich nie genannt. Ob seine harte Kindheit eine Rolle spielte, wissen wir nicht, und es wäre unredlich, es ihm zu unterstellen.
Klar ist nur, was er selbst gesagt hat. 2020 erklärte er in einem Interview, er sei kein gläubiger Mensch und glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Zugleich bezeichnete er sich als spirituell: Der Geist sei das, was ihn mit anderen Menschen verbinde. Er war Unterstützer der humanistischen Organisation Humanists UK und setzte sich für die Sterbehilfe ein, eine Position, die die Kirche aus Achtung vor dem Leben entschieden ablehnt.
Doch drei Jahre später klang er anders. In einem Interview mit dem US-Sender NPR sprach er 2023 über Erfahrungen, die er sich nicht erklären konnte, darunter das Gefühl spiritueller Gegenwart und dass er die Stimme seiner verstorbenen Mutter gehört habe. Auf die Frage, was nach dem Tod kommt, sagte er, er wisse es nicht, habe aber ein sehr tiefes Gefühl, dass es mehr gibt als dieses Leben. Den Tod beschrieb er als Abschluss eines Kapitels, nicht als Ende der Existenz.
Ein Bekenntnis zu Christus war das nicht. Aber es war die Offenheit eines Menschen, der im Alter spürte, dass die Wirklichkeit größer ist, als er gedacht hatte.
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Kein Urteil, aber Hoffnung
Über das endgültige Schicksal Patrick Stewarts können wir kein Urteil fällen. Das Gericht über einen Menschen steht Gott zu, der das Herz kennt, auch dort, wo wir nur die Oberfläche sehen. Die Kirche vertraut die Verstorbenen seiner Barmherzigkeit an und betet für sie.
Der Katechismus sagt ausdrücklich, dass Gott niemanden dazu vorherbestimmt, verloren zu gehen (KKK 1037). Wer also heute in sozialen Netzwerken schreibt, „der ist jetzt sicher in der Hölle“, spricht nicht für die Kirche.
Was die Kirche lehrt
Das Zweite Vatikanische Konzil hat sich mit dieser Frage befasst. In Lumen gentium (Nr. 16) heißt es sinngemäß: Wer Christus und seine Kirche ohne eigene Schuld nicht kennt, Gott aber aufrichtig sucht und sich, von der Gnade bewegt, bemüht, seinem Gewissen zu folgen, kann das ewige Heil erlangen.
Das ist eine reale Möglichkeit, aber keine pauschale Zusage für jeden, der sich Atheist nennt. Ob ein Mensch Gott ohne eigene Schuld nicht erkannt hat, kann nur Gott beurteilen.
Gaudium et spes (Nr. 22) weitet den Blick: Weil Christus für alle gestorben ist, bietet der Heilige Geist jedem Menschen auf eine Weise, die Gott allein kennt, die Möglichkeit an, mit dem österlichen Geheimnis Christi verbunden zu werden. Das macht Glaube, Christus und Kirche nicht unwichtig. Es heißt aber, dass Gottes Gnade auch dort wirken kann, wo wir ihre Wege nicht sehen.
Papst Franziskus hat in einer Frühmesse am 22. Mai 2013 daran erinnert, dass der Herr alle Menschen mit dem Blut Christi erlöst hat, ausdrücklich auch die Atheisten, und dazu ermutigt, einander im Tun des Guten zu begegnen.
Ist Unglaube dann egal?
Nein. Die Kirche nimmt den Atheismus ernst. Das Konzil zählt ihn zu den ernstesten Erscheinungen unserer Zeit und sagt deutlich: Wer Gott willentlich aus seinem Herzen verdrängt und religiösen Fragen ausweicht, ist nicht ohne Schuld (Gaudium et spes 19). Gott antwortet, aber er erwartet auch unsere Antwort.
Zugleich unterscheidet das Konzil sehr verschiedene Formen und Ursachen des Unglaubens: falsche Gottesbilder, Protest gegen das Leid in der Welt und auch das Versagen der Christen selbst, wenn sie das wahre Antlitz Gottes eher verhüllen als offenbaren.
Was in Patrick Stewarts Leben an Suche, an Wunden und an verborgener Sehnsucht lag, wissen wir nicht. Das weiß Gott allein.
Die Begegnung mit Christus
Papst Benedikt XVI. beschreibt in Spe salvi (Nr. 47) das Gericht als Begegnung mit Christus selbst: Seine Wahrheit und Liebe reinigen und verwandeln den Menschen, schmerzlich und heilend zugleich. Wie diese Begegnung für einen bestimmten Menschen aussieht, wissen wir nicht. Aber wir wissen, wer ihm dort begegnet.
Gerade seine späte Ahnung, dass es „mehr gibt als dieses Leben“, lässt uns ihn mit umso größerer Hoffnung Gottes Barmherzigkeit anvertrauen.
Was wir jetzt tun können
Christen spekulieren nicht über das ewige Schicksal eines Verstorbenen. Sie tun etwas Besseres: Sie beten. Das Gebet für die Verstorbenen gehört zu den ältesten Werken der Barmherzigkeit, und es gilt allen.
Wir dürfen Patrick Stewart Gottes Barmherzigkeit anvertrauen und für ihn beten, für einen Mann, der vielen Menschen ein Bild von Würde und Menschlichkeit geschenkt hat:
Herr, gib ihm die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm. Lass ihn ruhen in Frieden.
Über Marco Antonio Di Prato
Marco Antonio Di Prato lebt in Bonn und verbindet in seiner Arbeit Glauben, Medien und Unternehmergeist. Als Geschäftsführer der Priesterausbildungshilfe e.V. setzt er sich dafür ein, dass Seminaristen und Priester aus aller Welt an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom studieren können. International ist der Verein als „Catholic Vocation Fund“ bekannt, getreu dem Leitwort „Apostel für die Welt“.
Aus dieser Arbeit sind mehrere Medienprojekte entstanden, an denen er maßgeblich mitwirkt: GodMag, der Video-Podcast „Himmelspod Erklärt“, der Heilige, Feste und Glaubensinhalte für die ganze Familie verständlich macht, sowie Buch- und Interviewproduktionen, etwa zur Enzyklika Magnifica Humanitas. Als Initiator des Catholic Innovation Hub bringt er junge katholische Entwickler und Ingenieure zusammen, die moderne Konzepte für den Kirchenraum entwickeln, ohne den Glauben zu verändern.
Beruflich ist er zudem Geschäftsführer der Himmelfreund DP GmbH, die eigene Plattformen und Apps entwickelt, und als Unternehmensberater für internationale Kooperation tätig. Unter seinem Namen veröffentlicht er außerdem Lobpreismusik, zuletzt das Adventsalbum „Maranatha – Komm, Herr“.
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