Erzbischof Lackner schlägt Alarm: Kirche darf nicht zum politischen Instrument werden
Bei der Vollversammlung der Europäischen Bischofskonferenzen in Salzburg fand Erzbischof Lackner deutliche Worte zu Frieden, Armut und den Gefahren für die Kirche. Wahl des CCEE-Präsidenten auf dem Programm.

Mit einem eindringlichen Appell für Frieden, mehr Menschlichkeit und den Einsatz gegen Armut hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner die Vollversammlung der Europäischen Bischofskonferenzen eröffnet. Zugleich warnte er vor politischer Vereinnahmung und Radikalisierung. Rund 40 Bischöfe aus ganz Europa beraten in Salzburg über die Zukunft der Kirche, die Evangelisierung und die Rolle der Priester in einer sich wandelnden Gesellschaft.
Vor Vereinnahmung der Kirche schützen
Erzbischof Franz Lackner hat zum Auftakt der Vollversammlung der Europäischen Bischofskonferenzen in Salzburg die Verantwortung der Kirche für Frieden und soziale Gerechtigkeit hervorgehoben. Gleichzeitig mahnte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, sich gegen politische Einflussnahme und Radikalisierung zu wehren.
„Frieden und Armut müssen uns zuinnerst Anliegen sein“, betonte Lackner beim Eröffnungsgottesdienst am Dienstagabend. Die Kirche dürfe angesichts der weltweiten Krisen nicht wegsehen. Besonders verwies er auf den Krieg in der Ukraine, die Konflikte im Heiligen Land und das Leid von Menschen, deren Existenz bedroht sei.
Christusnachfolge im Zentrum
Auch Armut beschränke sich nicht allein auf fehlende materielle Grundlagen. Sie zeige sich ebenso bei Kindern, denen das Nötigste für ein menschenwürdiges Leben fehle, sowie in Orientierungslosigkeit und schwindender Hoffnung. Gerade dort müsse die Kirche präsent sein – „helfend, betend, unaufdringlich Trost und Hoffnung spendend“, so der Erzbischof.
Zugleich warnte Lackner davor, die Kirche für politische Zwecke zu vereinnahmen. Das „Reich Gottes unter uns“ gelte es vor solchen Bestrebungen ebenso zu schützen wie vor Radikalisierung, unabhängig davon, von welcher Seite sie ausgehe.
Die Sendung der Kirche bestehe letztlich darin, Christus nachzufolgen und Gottes Wirken in der Welt sichtbar zu machen. Lackner brachte diesen Auftrag mit den Worten auf den Punkt: „Unsere Mission, unsere Sendung: Gott in dieser Welt groß werden zu lassen!“
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Neuwahl auf dem Programm
Erstmals ist Salzburg Gastgeber einer Vollversammlung des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Rund 40 Bischöfe aus ganz Europa tauschen sich unter dem Leitmotiv „Evangelisierung und Synodalität: Die Sendung der Priester in Europa heute“ über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der katholischen Kirche aus.
Im Mittelpunkt standen der gemeinsame Erfahrungsaustausch und die unterschiedlichen Entwicklungen in den europäischen Ortskirchen. Konkrete Beschlüsse seien laut Erzbischof Lackner nicht vorgesehen. Vielmehr gehe es darum, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen, betonte Lackner.
Ein wichtiger Programmpunkt war zudem die turnusmäßige Neuwahl der CCEE-Führung. Am Donnerstag wählten die Bischöfe den Vorsitzenden und das Präsidium des europäischen Zusammenschlusses neu.
Erzbischof Grušas bleibt CCEE-Präsident
Der Erzbischof von Vilnius, Gintaras Linas Grušas (65), bleibt für weitere fünf Jahre Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen. Die Delegierten wählten den gebürtigen Washingtoner am Donnerstag bei der erstmals in Salzburg abgehaltenen Vollversammlung erneut an die Spitze des europäischen Zusammenschlusses. Grušas wurde 1961 als Sohn litauischer Eltern in den USA geboren. Nach seinem Studium der Informatik sowie der Philosophie und Theologie wurde er 1994 zum Priester geweiht. 2013 ernannte ihn Papst Franziskus zum Erzbischof von Vilnius. Seit 2021 steht er dem CCEE vor.
Zu neuen Vizepräsidenten wurden der Erzbischof von Armagh und Primas von ganz Irland, Eamon Martin (64), sowie der Zagreber Erzbischof Dražen Kutleša (58), Vorsitzender der Kroatischen Bischofskonferenz, gewählt. Sie folgen auf Kardinal Jean-Claude Hollerich und Kardinal Ladislav Nemet.
Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.
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