Vatikan

„Liebe auf Befehl?“ Papst Leo XIV. verrät, worauf es wirklich ankommt

Kann man Liebe vorschreiben? Papst Leo XIV. erklärt beim Angelusgebet, worauf es beim Gebot der Liebe wirklich ankommt.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
„Liebe auf Befehl?“ Papst Leo XIV. verrät, worauf es wirklich ankommt
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News - Deutsch

Kann man Liebe vorschreiben – oder entsteht sie erst dort, wo eine echte Beziehung wächst? Papst Leo XIV. rückt eine zentrale Frage des christlichen Glaubens in den Mittelpunkt und erinnert daran, dass Gott keine blinde Pflichterfüllung erwartet, sondern eine Liebe, die von Herzen kommt. Beim Angelusgebet betonte er die untrennbare Verbindung zwischen Gottes- und Nächstenliebe. Seine Botschaft ist klar: Wo die Liebe fehlt, verliert der Glaube seinen eigentlichen Sinn.

Gebot der Liebe – aber nicht auf Befehl

Im Zentrum des christlichen Glaubens steht nicht allein die Erfüllung von Geboten, sondern eine lebendige Beziehung zu Gott. Darauf verwies Papst Leo XIV. mit Blick auf das Sonntagsevangelium (Mt 22,34–40). Als ein Gesetzeslehrer Jesus nach dem wichtigsten Gebot fragt, stellt dieser die Gottesliebe an die erste Stelle: Der Mensch soll Gott „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken“ lieben.

Dabei gehe es um weit mehr als die bloße Anerkennung Gottes, erklärte der Papst. Gott wolle nicht nur als allmächtig und einzig wahrer Gott erkannt werden, sondern eine persönliche Beziehung zum Menschen aufbauen. „Der einzige wahre Gott möchte unser Gott werden“, betonte Leo XIV.

Diese Beziehung könne jedoch nicht durch Zwang entstehen. Das Gebot der Liebe sei keine Forderung, die sich einfach verordnen lasse. „Man kann nicht auf Befehl lieben“, machte der Papst deutlich. Wahre Gottesliebe entstehe vielmehr als Antwort auf die Liebe Gottes, die dem Menschen bereits entgegenkomme.

Die Sehnsucht nach dieser Nähe sei tief im Menschen verwurzelt und finde in der Gemeinschaft mit Gott ihre Erfüllung. Eine solche Liebe erfasse den Menschen in seiner ganzen Person – in Herz, Seele und Verstand.

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Glaube braucht gelebte Liebe

Für Jesus gehören Gottesliebe und Nächstenliebe untrennbar zusammen. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ – mit diesem Gebot verdeutliche Christus, dass die Beziehung zu Gott konkrete Auswirkungen auf das eigene Leben haben müsse. Wer sich von seiner Liebe tragen lasse, könne auch anderen Menschen mit mehr Verständnis und Mitgefühl begegnen und den eigenen Egoismus überwinden.

Dabei bleibe Liebe nicht bei guten Absichten stehen. Sie zeige sich im täglichen Handeln und darin, für andere da zu sein. Das eigene Leben werde so zu einem Geschenk für die Menschen in unserer Umgebung, betonte Papst Leo XIV.

Wie grundlegend die Liebe für den christlichen Glauben ist, habe bereits die heilige Theresia von Lisieux erkannt. Sie sei die Kraft, die die Glieder der Kirche zum Handeln bewege. Erlösche sie, verliere die Verkündigung des Evangeliums ihre Grundlage. Ohne Liebe werde der Glaube inhaltsleer, gute Werke verkämen zu bloßer Pflichterfüllung und auch die Hoffnung verliere ihren Sinn.

„Wir können Gott nicht wirklich lieben, ohne dass diese Liebe in der Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern überfließt“, unterstrich Leo XIV. Zugleich brauche auch die Nächstenliebe das Bewusstsein, dass alle Menschen Kinder desselben Vaters seien, der die Menschen in seinem Sohn Jesus Christus zuerst geliebt habe.

Damit diese Liebe im Alltag wachsen könne, brauche es ein erneuertes Herz, das bereit sei, Gottes Gebot anzunehmen und danach zu leben. Der Papst lud dazu ein, Gott um diese Gnade zu bitten und dabei auf die Fürsprache der Jungfrau Maria zu vertrauen.

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Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.

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