Vatikan

Papst Leo XIV.: Warum Glaube ohne Kultur unvollständig bleibt

Bei der Generalaudienz sprach Papst Leo XIV. über Glaube, Bildung und Wissenschaft. Seine Botschaft: Das Evangelium muss im Alltag Wurzeln schlagen.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Papst Leo XIV.: Warum Glaube ohne Kultur unvollständig bleibt
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News - Deutsch

Glaube und Wissenschaft sind für Papst Leo XIV. keine Gegensätze. Bei der Generalaudienz am Mittwoch, 28. Oktober, rief er dazu auf, Bildung, kulturellen Austausch und lebenslanges Lernen zu fördern. Sein Appell: Wer das Evangelium glaubwürdig vermitteln will, muss Glauben und Wissen verbinden.

Kein Glaube ohne Kultur

Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz setzte Papst Leo seine Katechesenreihe zur Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ des Zweiten Vatikanischen Konzils fort. Im Mittelpunkt stand diesmal das Verhältnis von Kultur und christlichem Glauben. Der Pontifex unterstrich, dass Bildung und Wissenschaft seit jeher eine wichtige Rolle für die Kirche spielen.

Die katholische Kirche habe sich stets darum bemüht, die Verkündigung des Evangeliums mit Bildungsangeboten zu verbinden. Ziel sei es, die menschliche, kulturelle und spirituelle Entwicklung von Menschen weltweit zu fördern, erklärte Leo. Auch die mittelalterlichen Universitäten seien aus dem Umfeld der Kirche entstanden und hätten die westliche Zivilisation maßgeblich geprägt.

Zugleich betonte der Papst, dass wissenschaftlicher und kultureller Fortschritt dazu beitragen könne, grundlegende Fragen des Lebens neu zu stellen. Er helfe, „den Geist für die ewigen Fragen nach dem Sinn der Welt und des menschlichen Daseins zu öffnen“ und so die Bereitschaft zu fördern, sich mit der Botschaft Jesu Christi auseinanderzusetzen.

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Glaube muss im Alltag lebendig werden

Die Verbindung von Glaube und Kultur gründe in der Menschwerdung Gottes, betonte Papst Leo. Das Evangelium dürfe nicht losgelöst von der Lebenswirklichkeit der Menschen bleiben, sondern müsse in ihrem Denken, Handeln und ihren kulturellen Ausdrucksformen sichtbar werden.

Dazu zitierte der Papst seinen Vorgänger Johannes Paul II., der bereits 1982 erklärt hatte: „Ein Glaube, der nicht zu Kultur wird, ist ein Glaube, der nicht vollständig angenommen, nicht gänzlich durchdacht und nicht treu gelebt wird.“

Der christliche Glaube müsse sich demnach im Alltag bewähren, Beziehungen prägen und in konkreter Nächstenliebe Ausdruck finden. Zugleich dürfe das Christentum nicht auf eine bestimmte Kultur beschränkt werden. Vielmehr könne das Evangelium in unterschiedlichen Gesellschaften und Lebenswelten Wurzeln schlagen, ohne seine zentrale Botschaft zu verlieren.

Die Kirche sei deshalb aufgerufen, die positiven Elemente verschiedener Kulturen aufzugreifen und für die Verkündigung zu nutzen. Sie nehme „das Gute, Schöne und Wahre aus den verschiedenen Kulturen auf“, um die Botschaft des Evangeliums lebendig zu vermitteln, fasste Leo zusammen.

Bildung für alle ermöglichen

Bildung dürfe kein Privileg weniger sein, sondern müsse allen Menschen offenstehen. Mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil hob Papst Leo hervor, dass Analphabetismus und Bildungsdefizite überwunden werden müssten. Auch der Zugang zu Hochschulen solle allen offenstehen, die die entsprechenden Voraussetzungen mitbrächten.

Zugleich rief der Papst die Christen dazu auf, ihre wissenschaftlichen Kenntnisse und ihr Glaubenswissen gleichermaßen zu vertiefen. Besonders die Theologie müsse den Dialog mit anderen Wissenschaften suchen. Ziel sei es, unterschiedliche Wissensbereiche miteinander zu verbinden und den Blick auf die großen Fragen des Lebens offenzuhalten.

Das Konzil empfehle deshalb, „den Unterricht auf eine gewisse Einheit des Wissens auszurichten“, erklärte Leo. Gerade Christen seien gefordert, diese Verbindung zunächst im eigenen Leben zu verwirklichen. Der Glaube entbinde sie nicht von einer kontinuierlichen intellektuellen und kulturellen Auseinandersetzung. Vielmehr müssten wissenschaftliche Erkenntnisse und Glaubensverständnis gemeinsam wachsen.

Eine reife Verbindung von Glaube und Kultur sei entscheidend für ein verantwortungsvolles christliches Leben, betonte der Papst. Sie bilde zugleich eine wichtige Voraussetzung dafür, den eigenen Glauben glaubwürdig zu bezeugen und anderen Menschen überzeugend zu vermitteln.

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Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.

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