Vatikan

Papst Leo XIV. würdigt christliche Archäologie: „Instrument der lebendigen Erinnerung“

Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Päpstlichen Instituts für Christliche Archäologie hat Papst Leo XIV. die Disziplin als „ein wertvolles Instrument“ gewürdigt, das Geschichte zum Sprechen bringt und die vergessene Heiligkeit

A
Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Papst Leo XIV. würdigt christliche Archäologie: „Instrument der lebendigen Erinnerung“
(c) Bildnachweis: Beitragsbild @ Gerd Eichmann - Wikimedia Commons - (CC BY-SA 4.0)

Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Päpstlichen Instituts für Christliche Archäologie hat Papst Leo XIV. die Disziplin als „ein wertvolles Instrument“ gewürdigt, das Geschichte zum Sprechen bringt und die vergessene Heiligkeit vieler Gläubiger sichtbar macht. In einem Apostolischen Schreiben erinnert er an das Engagement seines Vorgängers Pius XI., der das Institut ins Leben rief, um das christliche Bau- und Kulturerbe, insbesondere die Katakomben, zu schützen. Der Papst betont, dass Archäologie nicht der Flucht in die Vergangenheit dient, sondern die Gegenwart stärkt und die Heilsgeschichte anschaulich und lebendig vermittelt.

Keine Flucht in die Vergangenheit

Zum 100. Jubiläum des Instituts erinnerte der Papst an das Motu proprio seines Vorgängers Pius XI., mit dem dieser die Aufgabe der Päpste unterstrich, das christliche Bau- und Kulturerbe, insbesondere die Katakomben, zu schützen. Leo XIV. verwies in einer Audienz anlässlich des Jahrestags darauf, dass unsere heutige Welt schnelllebig ist und dazu neigt, Vergangenes zu vergessen. Bilder und Worte würden oft konsumiert, ohne dass sie tieferen Sinn stiften. Die Kirche hingegen sei berufen, Erinnerung zu fördern – und die christliche Archäologie gehöre zu den wichtigsten Mitteln dafür.

Weiter betonte der Pontifex, dass nicht eine Flucht in die Vergangenheit das Ziel sei, sondern die bewusste Gestaltung der Gegenwart und die Sicherung einer tief verwurzelten Zukunft. Die Archäologie ermögliche der Kirche, ihre Ursprünge lebendig zu bewahren, die Heilsgeschichte nicht nur in Worten, sondern auch in Bildern, Formen und Räumen zu erzählen und so die christliche Hoffnung und den Geist der Erneuerung anschaulich zu vermitteln. Deshalb appellierte Papst Leo bei seiner Audienz an diesem Donnerstag an die Mitglieder und Freunde des Instituts, das Adjektiv „christlich“ bewusst beizubehalten. Dies bedeute keine Einschränkung auf eine bestimmte Konfession, sondern kennzeichne eine eigenständige Fachrichtung innerhalb der Archäologie.

Unterstützen Sie uns

Unabhängiger, katholischer Journalismus braucht Sie.

GodMag finanziert sich durch die freiwilligen Beiträge unserer Leser. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, helfen Sie uns bitte mit einer kleinen Spende, um unsere Arbeit fortzusetzen.

Christliche Archäologie – Zwischen Geschichte und lebendiger Theologie

Papst Leo XIV. betont, dass jeder archäologische Fund zeigt, dass das Christentum keine abstrakte Idee, sondern ein gelebter Organismus ist, der Raum und Zeit durchdrungen und geprägt hat. Die Disziplin offenbare, dass der Glaube Verfolgungen und Krisen überstanden und sich stets erneuert habe – in neuen Völkern Wurzeln geschlagen und in neuen Formen erblüht. Dabei habe die archäologische Arbeit eine zutiefst menschliche Dimension: Sie untersucht nicht nur die Artefakte selbst, sondern auch die Hände, Köpfe und Herzen der Menschen, die sie geschaffen und geliebt haben.

Die frühen christlichen Gemeinden bewahrten nicht nur die Worte Jesu, sondern auch Orte, Gegenstände und Zeichen seiner Gegenwart. Dabei verwies der Papst auf Ausgrabungen am Grab des Apostels Petrus im Petersdom sowie auf jüngere Untersuchungen in Sankt Paul vor den Mauern. Archäologie ergänzt die schriftlichen Quellen, hinterfragt sie und macht die Heilsgeschichte anschaulich. Leo XIV. warnt, dass eine Theologie ohne archäologischen Bezug entleiblicht und abstrakt werden könne. „Eine Theologie hingegen, die die Archäologie als Verbündete annimmt, ist eine Theologie, die auf den Leib der Kirche hört“, so der Papst. „Wahre christliche Archäologie“ sei keine sterile Konservierung, sondern eine „lebendige Erinnerung“, die dabei helfe, „das kollektive Bewusstsein lebendig zu erhalten“.

A

Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das persönliche Leben und die Gesellschaft. Durch theologische Weiterbildung vertiefe ich meine Kenntnisse und setze mich mit den Fragen auseinander, die Kirche und Christentum in der Gegenwart bewegen. Themenschwerpunkte sind Familie, Kirche und Glaube, Bildung und Gesellschaft.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter und erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten aus Kirche und Gesellschaft direkt in Ihr Postfach.

Völlig kostenlos. Abmeldung jederzeit mit einem Klick möglich.

Kommentare (0)

Sie können auch als Gast kommentieren. Wir senden Ihnen eine E-Mail zur Bestätigung; danach wird Ihr Kommentar von der Redaktion geprüft.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare werden geladen...

Bleiben Sie auf dem neuesten Stand – melden Sie sich für unseren Newsletter an

Papst Leo XIV. würdigt christliche Archäologie: „Instrument der lebendigen Erinnerung“ - God Mag | GodMag