„Unsere Hoffnung stirbt nicht“: Kardinal Marx beendet Wallfahrtssaison in Kevelaer
Mit einem Gottesdienst in der Marienbasilika ist die diesjährige Wallfahrtssaison im niederrheinischen Kevelaer zu Ende gegangen. Wallfahrtsrektor Stefan Dördelmann zieht eine positive Bilanz.

Kardinal Reinhard Marx hat den Abschlussgottesdienst der diesjährigen Wallfahrtssaison in der Marienbasilika in Kevelaer gefeiert. In seiner Predigt rief er dazu auf, gerade in einer von Krisen, Gewalt und Ängsten geprägten Welt die Hoffnung nicht zu verlieren. Zum Abschluss der Saison wurde die Pilgerpforte symbolisch verschlossen.
Maria: „Trösterin der Betrübten“
Marx stellte in seiner Predigt die Kraft der christlichen Hoffnung in den Mittelpunkt. Sie sei eine wichtige Ressource für das Leben und gebe den Menschen Impulse, selbst aktiv zu werden. Dabei gehe es nicht darum, dass sich alle persönlichen Wünsche erfüllten. Entscheidend sei vielmehr, dass das eigene Handeln über den Augenblick hinaus Bestand habe.
Als Beispiel verwies der Kardinal auf den heiligen Franz von Assisi. „Er hat nicht die Probleme seiner Zeit gelöst. Aber seine Bewegung der Hoffnung ist auch 800 Jahre nach seinem Tod noch aktiv“, sagte Marx. Gerade in einer „oft verworrenen Welt“ sei Hoffnung deshalb eine unverzichtbare Gabe. Auch wenn Tod, Gewalt, Sünde und Angst zum Leben gehörten, bleibe die Zuversicht auf eine neue Welt bestehen. Diese Hoffnung sei nicht zu zerstören.
Mit Blick auf Kevelaer bezeichnete Marx die Gottesmutter Maria als „Morgenstern“, der nach einer dunklen Nacht das Licht eines neuen Tages ankündige. Zugleich sei sie die „Trösterin der Betrübten“. Menschen, die verzweifelt seien und keine Hoffnung mehr sähen, könnten bei ihr Trost finden. Seine Predigt schloss der Kardinal mit den Worten: „Unsere Hoffnung stirbt nicht, wenn wir uns an die Gottesmutter halten.“
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Bilanz: Zahl der Einzelpilger bleibt hoch
Zufrieden fällt die Bilanz von Wallfahrtsrektor Stefan Dördelmann aus. Mehrere Hunderttausend Menschen hätten in der vergangenen Saison das Gnadenbild am Kapellenplatz besucht, dort gebetet und eine Kerze entzündet. Bei den großen Pilgergruppen meldeten sich zwar immer weniger Teilnehmer an, die Zahl der individuellen Pilgerinnen und Pilger bleibe aber hoch.
Viele Einzelbesucher seien allerdings schwer zu erfassen, da Kevelaer auch wegen seiner touristischen Angebote zahlreiche Gäste anziehe. Dördelmann ist dennoch überzeugt, dass viele Menschen mit einem persönlichen Anliegen kommen: „Wer zum Kapellenplatz kommt und eine Kerze anzündet, hat mit großer Wahrscheinlichkeit auch etwas auf dem Herzen.“
Da es in der vergangenen Saison keine großen Jubiläen oder außergewöhnlichen Festtage gegeben habe, habe das Seelsorgeteam mehr Zeit für Gespräche mit den Besuchern gehabt. Dabei erlebe er immer wieder, wie offen die Menschen ihre Geschichten und Sorgen teilten. „Die Menschen schenken einem vom ersten Moment an großes Vertrauen. Das berührt mich immer wieder“, berichtet der Wallfahrtsrektor.
Zudem entstehe unter Menschen, die mit schweren Sorgen nach Kevelaer kämen, eine Art „Solidarität im Schmerz“. Viele erkennten, dass sie mit ihren Ängsten und Nöten nicht allein seien. Schon dieses Gefühl könne Trost schenken. „Hier ist ein Ort, an dem Platz für alle ist“, sagte Dördelmann.
Ausblick auf die nächste Saison
Die nächste offizielle Wallfahrtssaison in Kevelaer beginnt am Samstag, 1. Mai 2027. Doch auch bis dahin bleibt der Wallfahrtsort am Niederrhein ein Ziel für Gläubige und Besucher. „Pilger sind selbstverständlich das ganze Jahr über willkommen“, betont Dördelmann. Wer Trost und Zuversicht sucht, kann jederzeit eine Kerze entzünden und am Gnadenbild der Gottesmutter Maria beten.
Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…
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