Glauben

Vom „Herzschlag Gottes“ zur Freundschaft: Was Seelsorge heute braucht

Zur Sendungsfeier betonen die Bischöfe Glettler und Scheuer in ihrer Botschaft, wie Seelsorge heute zwischen Spannungsfeldern und echten Begegnungen gelingen kann.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Vom „Herzschlag Gottes“ zur Freundschaft: Was Seelsorge heute braucht
(c) Wikimedia Commons - Dnalor 01 - CC BY-SA 3.0

Wie bleibt man zuversichtlich, wenn die Welt aus den Fugen gerät? Und wie gelingt es, Menschen Halt zu geben – auch jenen, die anders denken und leben? Bei Sendungsfeiern in Innsbruck und Linz richteten die Bischöfe Hermann Glettler und Manfred Scheuer den Blick auf die Herausforderungen kirchlicher Arbeit. Ihre Botschaft: Es braucht Menschen, die authentisch bleiben, Spannungen aushalten und auf andere zugehen.

Spannungen geistvoll aushalten

Zwischen persönlichen Wünschen und Verantwortung für die Gemeinschaft, zwischen Bewahren und Erneuern: Bischof Hermann Glettler sieht kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Bei der Sendungsfeier im Innsbrucker Dom betonte er, dass es darum gehe, solche Gegensätze auszuhalten und anderen dabei Orientierung zu geben. „Ihr werdet gesendet, um andere zu befähigen, in Spannungsfeldern vertrauensvoll zu leben“, sagte Glettler.

Als Beispiele nannte der Innsbrucker Bischof den Konflikt zwischen dem Wunsch nach privatem Glück und dem Einsatz für das Gemeinwohl sowie die Herausforderung, kirchliche Traditionen zu bewahren und zugleich offen für Veränderungen zu bleiben. Auch der Gegensatz zwischen den beruflichen Erwartungen und dem eigenen inneren Befinden könne belasten. Hinzu komme die Sorge angesichts globaler Krisen, der eine notwendige Zuversicht gegenüberstehe.

Wer in der Seelsorge tätig sei, müsse lernen, mit diesen Spannungen umzugehen, ohne daran zu verhärten oder zu resignieren. Glettler sprach sich dafür aus, ihnen „geistvoll“ zu begegnen.

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Glaube als Quelle der Hoffnung

Um den Herausforderungen des pastoralen Alltags begegnen zu können, riet Glettler zu einer lebendigen Spiritualität und einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Diese schaffe eine „innere Verbundenheit mit dem Herzschlag Gottes“ und helfe, auch in schwierigen Situationen Halt zu finden. Ebenso wichtig sei es, Gemeinschaft aufzubauen – bei jungen Menschen ebenso wie im Altersheim.

Um nicht der Gefahr der „Wichtigtuerei“ zu erliegen, sollten Seelsorgerinnen und Seelsorger Christus in den Mittelpunkt stellen und sich konsequent an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Zudem empfahl Glettler, sich von anderen begleiten und unterstützen zu lassen. Das Wort Gottes bezeichnete er als „Fundament jeder kirchlichen Sendung“.

Freundschaft über Grenzen hinweg

Während Glettler in Innsbruck die Bedeutung von Spiritualität und Zusammenhalt hervorhob, stellte Bischof Manfred Scheuer bei einer Sendungsfeier im Linzer Dom die Freundschaft in den Mittelpunkt. 26 Religionslehrerinnen und Religionslehrer erhielten von ihm ein Sendungsdekret und eine Bibel als Zeichen ihres kirchlichen Auftrags.

In seiner Predigt betonte Scheuer, wie wichtig es für Jugendliche sei, ihren Platz im Leben zu finden und Menschen an ihrer Seite zu haben, die sie stärken. Lehrkräfte sollten ihnen Anerkennung vermitteln und deutlich machen: „Du kannst etwas, wir brauchen dich, du gehörst dazu.“

Auf die Frage, was Jugendlichen besonders wichtig sei, höre er häufig Antworten wie Familie, Hobbys, Sport, Musik und eine sichere Zukunft, berichtete der Bischof. Einen besonderen Stellenwert hätten jedoch Freundschaften. „Ein Freund ist einer, der mich durch und durch kennt und trotzdem zu mir steht“, sagte Scheuer. Dahinter stehe das grundlegende Bedürfnis, angenommen und gemocht zu werden. Gerade deshalb suchten junge Menschen vor allem „authentische Menschen“.

Zugleich plädierte Scheuer dafür, den eigenen Freundeskreis nicht auf Gleichgesinnte zu beschränken. Freundschaften sollten auch mit Menschen entstehen, die „anders“, „fremd“ oder „ungleich“ seien. Das stärke nicht nur den Einzelnen, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander. Begegnungen über persönliche und weltanschauliche Grenzen hinweg könnten Brücken bauen und zum Zusammenhalt in einer Demokratie beitragen.

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Redakteur / Autor bei GodMag.

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