Glauben

Kardinal Marx: „Beerdigungen sollten ein Fest des Lebens und des Glaubens sein“

Kardinal Marx wirbt beim Allerseelen-Requiem im Münchner Dom für eine neue Beerdigungskultur und mahnt, Sterbende nicht allein zu lassen.

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Andreas Nachbar
3 min Lesezeit
Kardinal Reinhard Marx
Bildnachweis © Beitragsbild: @FDI2 - pixabay user_id:4493015.

Kardinal Reinhard Marx hat dazu aufgerufen, Sterbende zu begleiten und Beerdigungen wieder stärker als „Fest des Lebens und des Glaubens“ zu verstehen. Beim Allerseelen-Requiem im Münchner Dom sagte der Erzbischof von München und Freising am Montag, die Kirche müsse Menschen auch im Sterben das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Marx feierte das Requiem am Allerseelentag, dem 2. November, für die verstorbenen Bischöfe und Erzbischöfe des Erzbistums.

Beerdigung als Zeugnis der Hoffnung

Zugleich beobachte er mit Sorge, wie sich die Bestattungskultur in Deutschland und besonders in Bayern wandle, sagte Marx. Beerdigungen sollten seiner Ansicht nach wieder stärker als „Fest des Lebens und des Glaubens“ gestaltet werden. Sie könnten Orte sein, an denen die christliche Hoffnung sichtbar werde und Menschen gemeinsam bezeugten: „Wir sind nicht allein, nicht im Leben und auch nicht im Sterben.“

Allerseelen erinnere nicht nur an den Verlust geliebter Menschen, sondern vermittle auch eine Botschaft der Hoffnung. Der Tod trenne weder von den Menschen, die man geliebt habe, noch von der Liebe Gottes, betonte der Kardinal. Der christliche Glaube schenke die Zuversicht, auch über den Tod hinaus nicht allein zu sein.

Marx sprach sich dafür aus, den Tod als Teil des Lebens anzunehmen und ihm mit Vertrauen zu begegnen. Auch sein persönliches Gebet um eine gute Sterbestunde sei von dieser Hoffnung getragen: „Wenn ich selbst um eine gute Stunde des Sterbens bete – und ich tue das oft –, auch möglichst ohne Schmerzen und nicht allein, ist das kein trauriges Gebet, sondern eines der Zuversicht.“

Darin liege auch das österliche Zeugnis, das die Kirche der heutigen Welt schulde. Mit Blick auf das Lebensmotto von Papst Benedikt XVI. – „Wer glaubt, ist nicht allein“ – unterstrich Marx die Bedeutung der Gemeinschaft im Glauben. Besonders die Eucharistiefeier könne die Grenzen von Raum, Zeit und Tod überwinden und die Verbundenheit der Menschen erfahrbar machen.

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Sterbende nicht allein lassen

Es gehöre zum Auftrag der Kirche, Menschen am Lebensende beizustehen und ihnen ein Sterben in Würde zu ermöglichen. „Dass die Menschen nicht von der Hand, sondern an der Hand eines anderen sterben“, bezeichnete Marx als christliches Zeugnis in der heutigen Welt.

Diese Begleitung müsse sich auch in den caritativen und anderen kirchlichen Einrichtungen widerspiegeln. Dazu zählten neben menschlichem Beistand auch eine angemessene Schmerztherapie sowie die Berücksichtigung emotionaler und spiritueller Bedürfnisse. Ziel müsse es sein, Leiden zu lindern und Sterbenden die notwendige Zuwendung zu schenken.

Marx verwies dabei auf die Erklärung „Dignitas infinita“ der vatikanischen Glaubensbehörde, des Dikasteriums für die Glaubenslehre, aus dem Jahr 2024. Sie unterstreiche die unverlierbare Würde jedes Menschen, auch angesichts schwerer Krankheit und großer Schmerzen. Palliative Versorgung und Begleitung am Lebensende seien klar von einer gezielten Herbeiführung des Todes zu unterscheiden. Damit grenzt sich die Kirche von aktiver Sterbehilfe ab.

„Wir müssen zum Tod begleiten, nicht den Tod herbeiführen“, heißt es in der Erklärung. Alte und kranke Menschen dürften nicht den Eindruck bekommen, eine Belastung zu sein oder aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Das Recht auf Behandlung und eine würdevolle Versorgung müsse für alle gewährleistet sein.

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Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…

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