Papst Leo XIV. fliegt nach Südamerika: Parolin erhofft „Zeichen der Versöhnung“
Papst Leo XIV. ist zu seiner sechsten Auslandsreise nach Uruguay, Argentinien und Peru aufgebrochen. Kardinalstaatssekretär Parolin sieht in der Reise in Zeiten der Polarisierung ein Zeichen der Versöhnung.
Andreas Nachbar3 min Lesezeit
Papst Leo XIV. ist am Freitag zu seiner sechsten Auslandsreise aufgebrochen. Bis zum 17. November besucht er Uruguay, Argentinien und Peru. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sagte vorab, die Reise solle in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung ein Zeichen der Versöhnung und des Zusammenhalts setzen.
Parolin: „Brücken bauen“ in gespaltenen Gesellschaften
Im Mittelpunkt stehen laut Parolin Jugendliche, sozial benachteiligte Menschen und die indigenen Gemeinschaften im Amazonasgebiet. Die Kirche solle Brücken bauen und als „Bindeglied“ zwischen gesellschaftlichen Gruppen wirken. Die Vatikan-Diplomatie hofft, dass sie so zur Überwindung von Spaltungen beiträgt.
Uruguay: Hoffnung im säkularsten Land Lateinamerikas
Uruguay ist eines der am stärksten säkularisierten Länder der Region. Für Parolin stellt das den Auftrag der Kirche nicht infrage. Sie müsse den Glauben weiterhin als „Angebot der Hoffnung“ vermitteln, ausdrücklich ohne den Anspruch, frühere Einflussmöglichkeiten zurückzugewinnen. Der Besuch sei zugleich eine Ermutigung für die kleine, aber engagierte katholische Gemeinschaft des Landes.
Argentinien: Hommage an Franziskus, Dialog statt Patentrezepte
Die zweite Station ist Argentinien, die Heimat von Leos Vorgänger Franziskus, der während seiner Amtszeit nie dorthin zurückkehrte. Der Besuch soll auch den verstorbenen Papst würdigen. Angesichts von Wirtschaftskrise und gesellschaftlichen Spannungen wolle Leo XIV. laut Parolin keine fertigen Lösungen präsentieren, sondern den Dialog fördern und für mehr soziale Gerechtigkeit eintreten. Argentiniens Geschichte zeige, dass die Stärke einer Gesellschaft auf gegenseitigem Zuhören, dem Schutz der Schwächsten und gemeinsamer Verantwortung beruhe, so Parolin.
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Peru: Rückkehr nach Chiclayo und Besuch im Amazonas
Für Leo ist Peru die persönlichste Station, denn dort war er vor seiner Wahl zum katholischen Oberhaupt Bischof von Chiclayo. Seine Rückkehr sei von Dankbarkeit geprägt, sagte Parolin, und seine Vertrautheit mit der Kultur der Region komme ihm zugute.
Neben Lima ist ein Besuch in Pucallpa geplant. Dort trifft Leo XIV. Missionare und Vertreter indigener Völker. Die Begegnung knüpft an die Amazonassynode und die Enzyklika „Laudato si’“ an. Schöpfungsschutz müsse mit dem Einsatz für Menschenwürde und Lebensgrundlagen der Bevölkerung verbunden sein. Wirtschaftliche Entwicklung dürfe sich nicht allein an „Gewinn und Konsum“ orientieren, sondern müsse die Rechte und das Wissen indigener Völker achten.
Kirche an der Seite der Armen und der Jugend
Priester, Seelsorger und Laien engagierten sich in Lateinamerika oft unter schwierigen und mitunter gefährlichen Bedingungen, sagte Parolin. Damit zeige die Kirche, dass sie die Sorgen der Notleidenden teile. Auch junge Menschen brauchten angesichts unsicherer Arbeitsverhältnisse und Zukunftsängste Orientierung. Von der Reise erhofft sich Parolin zudem Impulse für kirchliche Gemeinschaften in abgelegenen Regionen mit großem Priestermangel.
Zum Verhältnis von Kirche und Staat verwies er auf die Autonomie beider Seiten. Gemeinsam hätten sie dem Wohl der Menschen zu dienen. Die Kirche werde ihre Stimme aber weiter erheben, wenn die Menschenwürde verletzt werde.
Das Programm: Messen, Gefängnis und Amazonas
Höhepunkte der Reise sind in Uruguay die Messen in Paysandú und Florida sowie eine Begegnung mit der sozialen Gemeinschaft des Stadtteils Casavalle. In Argentinien stehen unter anderem ein Besuch im Bundesgefängnis von Buenos Aires, eine Jugendvigil und eine Messe in Luján auf dem Plan. In Peru besucht der Papst neben Lima seine frühere Diözese Chiclayo und trifft in Pucallpa Missionare und Vertreter der Amazonasvölker.
Der erste Reisetag
Um 11 Uhr startete die Maschine in Rom-Fiumicino. Am Abend, um 20.30 Uhr Ortszeit, wird der Papst am Flughafen Montevideo-Carrasco erwartet. Um 21.30 Uhr folgt der offizielle Empfang auf der Plaza Independencia. Danach trifft Leo XIV. Vertreter von Staat, Zivilgesellschaft und Diplomatischem Korps und besucht den Präsidenten im Edificio José Artigas. Den Abend beschließt eine Vesperfeier mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen in der Kathedrale von Montevideo.

Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…
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