Papst Leo XIV. in Uruguay: Woran hängt dein Herz?
Zum Auftakt seiner Südamerika-Reise hat Papst Leo XIV. in Montevideo Bischöfe, Priester und Ordensleute aufgerufen, immer wieder zu Jesus zurückzukehren, und hat um Gebet gebeten für geistliche Berufungen.
Andreas Nachbar3 min Lesezeit
Am 6. November hat Papst Leo XIV. seine bis zum 17. November dauernde Südamerika-Reise begonnen. Erste Station war Uruguay: In der Kathedrale von Montevideo feierte er eine Vesper mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen. In seiner Ansprache rief er dazu auf, Christus immer wieder zum Mittelpunkt des Lebens zu machen und ihm im Denken, Hören und Lieben ähnlicher zu werden. Treue zur Berufung bedeute vor allem, Jesus Raum im eigenen Herzen zu geben und sich an seinem Beispiel auszurichten.
Wir werden, was wir lieben
Seine Gedanken entfaltete der Papst anhand von Psalm 135. Der Psalm beschreibt Götzenbilder aus Gold und Silber, die Menschen geschaffen haben und die dennoch leblos bleiben. Wer ihnen vertraue, werde ihnen selbst ähnlich. Der Mensch gleiche letztlich dem, was er liebt und worauf er sein Vertrauen setzt. Leo XIV. erinnerte in diesem Zusammenhang an ein Wort Jesu: „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“ (Mt 6,21). Die Frage, was der eigene „Schatz“ sei, sei deshalb keine Nebensache, sondern entscheide darüber, wohin sich ein Leben entwickle.
Auch Geistliche müssen sich fragen: Was zählt wirklich?
Diese Botschaft bezog der Papst ausdrücklich auf jene, die ihr Leben in den Dienst der Kirche gestellt haben. Auch sie müssten sich ehrlich fragen, woran ihr Herz tatsächlich hänge. Das könnten das eigene Werk sein, die Suche nach Anerkennung oder das Bedürfnis, alles unter Kontrolle zu behalten. Solche Bindungen, so der Papst, könnten den Blick auf andere Menschen verändern und die eigentliche Berufung allmählich in den Hintergrund drängen, oft unmerklich und ohne böse Absicht. Entscheidend sei darum, immer wieder zu Jesus zurückzukehren, ihn zum persönlichen „Schatz“ zu machen und ihm nachzufolgen.
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Ein Gott, der hört und sieht
Den leblosen Götzen stellte Leo XIV. den lebendigen Gott gegenüber. Die Götzen aus Gold und Silber hätten zwar Mund, Augen und Ohren, könnten aber weder sprechen noch sehen oder hören. „Ihnen fehlt das Leben“, sagte der Papst.
Der Gott, dem Christen ihr Vertrauen schenken, sei dagegen ein Gott, der das Leid der Menschen wahrnehme, ihre Klagen höre und um ihre Not wisse. Als Beispiel verwies der Papst auf die Begegnung des Mose mit Gott am brennenden Dornbusch: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen [...] und ihre lauten Klagen gehört. Ich kenne sein Leid“ (Ex 3,7). Gottes Wesen zeige sich gerade in seiner Nähe zu den Menschen und seinem aufmerksamen Blick für ihr Leid. Für Priester und Ordensleute ist das auch ein Maßstab: Wer Christus ähnlicher werden will, soll lernen, hinzusehen und zuzuhören.
Aufruf zum Gebet für Berufungen
Zum Abschluss weitete der Papst seinen Appell über Uruguay hinaus auf die Weltkirche aus. Er bat die Bischöfe, in ihren Diözesen Gebets- und Fastentage für mehr Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben zu fördern. Die ganze kirchliche Gemeinschaft solle einbezogen werden: Pfarreien, Familien und Ordensgemeinschaften seien eingeladen, sich gemeinsam diesem Anliegen zu widmen. Die Erfahrung aus Uruguay solle auch andernorts Wirkung entfalten. „Das Beispiel dieses Landes ermutigt auch andere dazu, mit demselben Vertrauen zu bitten!“, sagte der Papst.

Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…
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