Vatikan

Papst Leo XIV. in Montevideo: „Wir dürfen nicht wegsehen“

Papst Leo XIV. hat das Armenviertel Casavalle in Uruguay besucht. Er rief Kirche, Staat und Zivilgesellschaft dazu auf, gemeinsam gegen Armut, Gewalt und Ausgrenzung vorzugehen.

Andreas Nachbar4 min Lesezeit
Papst Leo XIV. bei seiner Südamerikareise in Casavalle
(c) Screenshot | YouTube | Vatican News


Mit einem eindringlichen Appell gegen soziale Gleichgültigkeit hat Papst Leo XIV. am Samstagabend das Armenviertel Casavalle in Uruguays Hauptstadt besucht. Sein Besuch galt vor allem jenen, die sonst kaum wahrgenommen werden: Kindern, die aus Angst vor Gewalt nicht mehr zur Schule gehen, und Müttern, die ihre Familien nicht ernähren können.

„Unser Gewissen darf nicht schweigen“

„Wir können nicht einfach wegsehen, wenn wir wissen, dass es in Uruguay Kinder gibt, die aus Angst, nicht mehr zurückzukommen, nicht zur Schule gehen“, sagte der Papst bei der Begegnung in einer Pfarrei des Stadtteils. Auch das Schicksal von Müttern, denen die Mittel fehlen, ihre Kinder zu ernähren, dürfe niemanden kaltlassen.

In einem Land, das so reich an Ressourcen sei, dürfe kein Kind hungrig schlafen gehen oder wegen der Unsicherheit auf den Straßen auf Bildung und eine würdige Zukunft verzichten müssen, betonte Leo.

Seine Botschaft richtete sich nicht nur an die Kirche. „Wir müssen zusammenarbeiten: die Kirche, die Zivilgesellschaft und der Staat“, forderte er. Man müsse aus der eigenen Trägheit erwachen und sich für das Gemeinwohl einsetzen. Die entscheidende Frage sei, ob man eine Stadt aufbauen wolle, in der niemand ausgeschlossen wird, oder weiterhin bequem den eigenen Angelegenheiten nachgehe.

Casavalle: Ein Viertel, das sich vergessen fühlt

Casavalle liegt im Norden Montevideos und gilt als sozialer Brennpunkt, der von Gewalt und Unsicherheit geprägt ist. Die Lage ist so angespannt, dass Taxifahrer das Viertel nachts teilweise meiden.

Wie tief die Ausgrenzung reicht, hatte Ortspfarrer Pablo Coimbra schon vor dem Besuch beschrieben. Die Bewohner seien seit Generationen von gesellschaftlichen Möglichkeiten ausgeschlossen. Es fehle nicht nur an Geld, sondern auch an Chancen, die eigene Zukunft zu gestalten, den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen und Anerkennung zu erfahren. Oft vermissten die Menschen sogar den wertschätzenden Blick ihrer Mitmenschen.

Viele fühlten sich daher nicht nur am Rand der Stadt, sondern auch am Rand der Gesellschaft. Für Coimbra hat der Papstbesuch deshalb eine besondere Bedeutung: „Dass der Papst hierherkommt, lässt viele zum ersten Mal spüren, dass sie nicht am Rande, sondern im Herzen der Kirche und des Papstes sind.“

Darin liege die eigentliche Botschaft des Besuchs: Die Menschen sollten erfahren, dass sie Würde besitzen und von Gott besonders geliebt werden.

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Kirche will im Viertel präsent sein

Die Pfarrei begegnet dem Gefühl der Ausgrenzung mit konkreter Arbeit. Ihre Seelsorge folgt nach Coimbras Worten drei Leitgedanken: da sein, sich auf die Menschen einlassen und evangelisieren. Die Pfarrei will im Viertel präsent sein und den Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind. Dazu gehört, sich auf ihre Sorgen, Lebensgeschichten und ihr Leid einzulassen. Zudem will sie die Botschaft Jesu Christi verkünden.

Erinnerungen an Peru und Hilfe für Familien

Der Besuch erinnerte Leo XIV. an seine langjährige Tätigkeit in Peru. Rund zwei Jahrzehnte wirkte er dort, zuletzt als Bischof von Chiclayo im Norden des Landes. Die Begegnung mit den Menschen in Casavalle habe ihn an diese Erfahrungen erinnert.

Mit Spendengeldern wurde zudem der Bau mehrerer Wohnungen für einkommensschwache Familien in Casavalle gefördert. Die Wohnungen sollten mehr sein als ein Dach über dem Kopf, betonte der Papst: ein Zuhause, in dem Familien in Würde, Frieden und Hoffnung leben können.

Gewalt und Engagement

In seiner Ansprache griff Leo das Gleichnis vom barmherzigen Samariter auf. Die Geschichte wiederhole sich bis heute, wo Unsicherheit und Gewalt den Frieden in den Stadtvierteln und das Leben vieler Familien bedrohten.

Zugleich gebe es zahlreiche Einrichtungen und Menschen guten Willens, die sich für Frieden einsetzten und konkret halfen. Dieses Engagement dürfe nicht übersehen werden.

Bewegend waren die Zeugnisse von Bewohnern Casavalles. Eine junge Mutter berichtete von Gewalt und Missbrauch in ihrer Familie. Mit 15 Jahren sei sie auf der Straße gelandet und habe sehr dunkle Zeiten erlebt. Eine kirchliche Bewegung habe ihr geholfen, nicht auf die schiefe Bahn zu geraten. Auch wenn noch nicht alles überwunden sei, habe sie dort Unterstützung gefunden.

Zum Abschluss betete Leo XIV. gemeinsam mit den Menschen das Vaterunser und spendete ihnen den Segen. Als Erinnerung an seinen Besuch hinterließ er eine Gedenkmedaille seiner Lateinamerikareise.


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Über Andreas Nachbar

Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…

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