Papst Leo XIV. in Uruguay: „Dann bleibt kein Platz für den Menschen“
Vor Zehntausenden Gläubigen hat Papst Leo XIV. in Uruguay vor einer Welt ohne Gott gewarnt. Zugleich machte er der kleiner werdenden Kirche Mut: Auch sie dürfe nicht verzagen.
Andreas Nachbar4 min Lesezeit
Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch in Uruguay vor zunehmender Säkularisierung und religiöser Gleichgültigkeit gewarnt. Bei einer Messe in Paysandú und bei einer abendlichen Gebetsvigil sprach er vor Zehntausenden Gläubigen über die schwindende Bedeutung des Glaubens und die Zukunft der Kirche. Seine Botschaft: Auch eine kleiner werdende Kirche darf den Mut nicht verlieren.
Messe in Paysandú: Brücken, Palmen und Mate-Tee
Bereits am Nachmittag hatte der Papst Zehntausende Menschen zu einer Messe unter freiem Himmel versammelt. Mehr als 40.000 kamen trotz bewölkten Himmels und eines vom Regen aufgeweichten Bodens in einen Stadtpark.
Die Begeisterung war groß. „Es ist eine riesige Freude. Wir haben lange auf Franziskus gewartet, und nun ist Papst Leo angekommen“, sagte die Rentnerin María del Rosario Esquiros gegenüber EWTN News English. Sie wirkte bei der Feier als außerordentliche Kommunionhelferin mit.
Uruguay zählt zu den säkularsten Ländern Lateinamerikas: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung gehört keiner organisierten Religion an. Dennoch sei die katholische Kirche ein fester Bestandteil der Landesgeschichte, erinnerte Leo XIV. in seiner Predigt.
Seine Predigt stellte er unter drei Symbole aus der Lebenswelt der Menschen: Brücken, Palmenhaine und Mate. Brücken stünden für die Verbindung zwischen Menschen und die Überwindung von Trennendem. Die Palmen erinnerten daran, in Christus verwurzelt zu sein. Dass sie in Hainen und nicht allein wachsen, verdeutliche die Bedeutung der Gemeinschaft in der Kirche.
Der traditionelle Mate-Tee werde meist gemeinsam getrunken und stehe daher für Freundschaft, Gastfreundschaft und Begegnung. „Er lehrt uns, zu teilen und zusammen zu sein“, erklärte der Papst. Mate stärke die Verbundenheit und erinnere daran, dass Zusammenhalt und gemeinsame Werte Menschen verbinden.
Gebetsvigil: Lichter, Musik und eine ernste Botschaft
Am Abend folgte vor rund 30.000 Menschen die Gebetsvigil, der stimmungsvolle Höhepunkt des zweiten Besuchstags. Bei einbrechender Dunkelheit sorgten Flutlicht, Musik, wehende Fahnen und die Lichter zahlreicher Handys für eine besondere Atmosphäre. Eine junge Katechetin, eine Familie und ein frisch getaufter junger Mann berichteten von ihren persönlichen Glaubenserfahrungen.
In seiner Ansprache richtete Leo XIV. den Blick auf die wachsende Distanz vieler Menschen zur Kirche. Der Glaube werde vielerorts nicht mehr selbstverständlich von einer Generation an die nächste weitergegeben. Immer mehr Menschen lebten ohne regelmäßigen Kontakt zur Kirche und ohne religiöse Praxis. Auch die katholischen Gemeinden in Uruguay müssten lernen, ihren Glauben unter diesen veränderten Bedingungen zu leben und weiterzugeben.
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„Eine kleine Kirche ist nicht bedeutungslos“
Dennoch sieht der Papst Grund zur Hoffnung. Auch wenn die Zahl der Gläubigen schrumpfe und die Kirche gesellschaftlich an Bedeutung verliere, gebe es Menschen, die ihren Glauben weiterhin leben und weitergeben. Dazu zählte er Eltern, die mit ihren Kindern beten, Lehrer, die ihren Glauben vorleben, junge Menschen, die Christus entdecken, und Gemeinden, die sich weiterhin versammeln. Besonders hob er Priester hervor, die weite Wege zurücklegen, um den Gläubigen die Sakramente zu spenden.
Kleiner werdende Gemeinschaften dürften sich deshalb nicht entmutigen lassen. „Das Evangelium lädt uns ein, die Dinge anders zu betrachten“, betonte der Papst. Zahlenmäßige Stärke sei nicht gleichbedeutend mit Bedeutung. Als Beispiel verwies er auf die Eucharistie: „Der Herr des Universums, gegenwärtig unter den bescheidenen Gestalten von Brot und Wein!“
Warnung vor einer Welt ohne Gott
Neben seiner Ermutigung fand Leo XIV. deutliche Worte zur religiösen Gleichgültigkeit. Wenn Gott als überflüssig betrachtet und der Glaube zur reinen Privatsache erklärt werde, könne das weitreichende Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben haben.
„Wenn man versucht, eine Welt ohne Gott zu entwerfen, läuft man Gefahr, auch dem Menschen keinen Platz mehr zu lassen“, warnte der Papst. Damit griff er einen Gedanken seines Vorgängers Benedikt XVI. auf.
Gottes rettende Liebe gelte allen Menschen, ausdrücklich auch jenen, die dem Glauben gleichgültig gegenüberstehen. Doch auch die Christen selbst seien gefordert: Sie müssten sich immer wieder neu auf ihren Glauben besinnen und „immer wieder zu Jüngern werden“.
An die Jugend: „Gebt Gott nicht nur einen Teil von euch“
Christen sollten ihren Glauben nicht für sich behalten, sondern durch ihr Leben sichtbar machen, zeigte sich der Papst überzeugt. Selbst Menschen, die längst keinen Bezug mehr zur Kirche hätten oder nicht wüssten, ob sie an Gott glauben, könnten durch das glaubwürdige Zeugnis anderer wieder auf die Suche nach Gott gehen.
„Vielleicht gibt es Menschen, die niemals aus eigenem Antrieb eine Bibel aufschlagen oder seit Jahren keine Kirche mehr betreten haben“, gab er zu bedenken. Begegneten sie Christen, die ihren Glauben überzeugend lebten, könne in ihnen eine neue Sehnsucht entstehen. Sie könnten entdecken, „dass es sich lohnt, das Leben dafür einzusetzen“.
Besonders die jungen Menschen nahm Leo XIV. in den Blick. Er ermutigte sie, keine Angst davor zu haben, eine Familie zu gründen oder einer geistlichen Berufung zu folgen. Wer sich für Gott entscheide, solle dies mit ganzer Hingabe tun: „Nicht nur einen Teil von euch geben, sondern alles.“
Zum Abschluss rief der Papst leidenschaftlich: „Frohe Botschaften brauchen Zeugen.“ Die Botschaft, die Christen empfangen hätten, verdiene es, laut und selbstbewusst in die Welt getragen zu werden: „Jesus Christus! Der Sohn Gottes ist Mensch geworden! Er ist Gott mit uns!“

Über Andreas Nachbar
Aufgewachsen in einer katholischen Familie, prägt mich der katholische Glauben seit meiner Kindheit. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein vertieftes Interesse an der Tradition des Christentums, der Lehre der katholischen Kirche und der Bedeutung des Glaubens für das…
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